Es war später Nachmittag, als Laura von der Arbeit nach Hause kam. Heiner saß am Fenster in der Stube, ein Buch auf dem Schoß. Sein Gesicht war so grau, daß es ihr weh tat. "Sie sollten ein bißchen an die frische Luft gehen, Herr Braun."

 

"Ach was. Es reicht mir, das Wetter von hier drinnen zu sehen."

 

Laura zeigte auf das Buch. "Was studieren Sie Schönes?"

 

"Ein Gedicht von Friedrich Stoltze."

 

"Etwas Heiteres tut Ihnen sicher gut."

 

"Auch heitere Gemüter sind nicht immer froh."

 

Laura las die aufgeschlagene Seite.

 

"Er schrieb es nach dem Tode seines Sohnes. Er wurde nur achtzehn Jahre alt."

 

Sie klappte das Buch zu. "Wollen Sie mir nicht endlich mal das Geburtshaus von diesem Stoltze zeigen, bevor es abgerissen wird?"

 

Er sah aus dem Fenster. "Ja. Die Menschen sterben und die Häuser."

 

(Die Farbe von Kristall, S. 546)

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