Laura betrachtet ihr Glas. "Wie kommt ein Literat dazu, über Homöopathie zu schreiben?" Als sie Heiners verwirrte Miene sah, fügte sie hinzu: "Sie erwähnten vorhin einen Stoltze. Ich habe den Namen noch nie gehört."

 

"Sie kennen Frankfurts berühmtesten Poeten nicht?"

 

"Ich dachte, das sei Goethe?"

 

Heiner lächelte. "Friedrich Stoltze war Mundartdichter, aber auch ein passionierter Journalist mit Humor und einer Vorliebe für antipreußische Schmähreden. Seine Zeitschrift Latern konnte es durchaus mit dem Berliner Kladderadatsch aufnehmen. Er starb 1891. Sollten Sie vorhaben, sein Geburtshaus zu besichtigen, müssen Sie sich beeilen. Es steht einer Straße im Weg."

 

"Man reißt es einfach ab?"

 

Heiner nickte. "Lesen Sie Stoltze, und Sie werden mehr über diese Stadt und ihre Bürger erfahren als in einem Dutzend Reiseführer."

(Die Farbe von Kristall, S. 302/303)

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