Es war schon dunkel, als ein Wachbeamter mit einem Brief hereinkam. "Das soll ich Ihnen persönlich geben, Herr Kommissar."
Richard riß den Umschlag auf. Die Nachricht bestand aus vier gereimten Zeilen, so akkurat zu Papier gebracht, als habe sich der Verfasser bei jedem Wort ausgemalt, welche Wirkung es auf den Empfänger haben würde. Richard brach der Schweiß aus.
"Was ist denn, Herr Kommissar?" fragte Paul Heusohn.
"Nichts."
"Aber Sie sind ja ganz blaß!"
"Jemand hat sich einen schlechten Scherz erlaubt."
"Inwiefern?"
Richard bedauerte, daß es keine Ofenheizung mehr gab. Er steckte den Brief in sein Jackett. "Über manche Dinge ist jedes Wort zu viel gesagt."
Totengräbers Tochter sah ich gehn; Ihre Mutter hatte sich an keiner Leiche versehn!
Dein Seel´ wird einstens einsam sein In grauer Grabsgedanken Schrein.
(Die Farbe von Kristall, S. 402/403)
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