Richard räusperte sich. "Memento mori - bezog sich das auf eine bestimmte Person, Frau von Ravenstedt?" 

 

"Ich weiß nicht, was Sie meinen", (erwiderte Zilly.)

 

"Die Akte Eduard Könitz! Haben Sie ..."

 

"Den Namen höre ich zum ersten Mal."

 

"Ach ja? Und den Namen Richard hören Sie auch zum ersten Mal?"

 

Sie lächelte. "War das nicht ein tragischer Held in Shakespeares Königsdramen?" (...)

 

"Am Hemdkragen des Toten wurde ein Fingerabdruck sichergestellt. Ein Vergleich mit ..."

 

Sie hielt ihm ihre Hände hin. "Tun Sie, was Sie für nötig erachten."

 

Richard ließ sich mit der Wache verbinden; kurz darauf kam ein Polizeidiener herein. Zilly setzte ihren Hut auf. "Sie werden es mir nachsehen, daß ich auf ein Auf Wiedersehen verzichte, Herr Kommissar!"

 

"Eine Frage noch ..." (...)

 

Sie blieb so dicht vor ihm stehen, daß er ihren Alkoholatem roch. "Die berühmte Kurtisane von Venedig, die Doktor Faust den magischen Ring stiehlt, war uns beste Inspiration! Fügt sich das nicht wundervoll in Ihre Geschichte, Kommissar? Signora Lucrezia tanzt den welschen Tanz, wo man einander an schamigen Orten fasset ..." (...)

 

"Es reicht!"

 

"Welches wahrlich bei einer wohlbestellten Polizei aufs allerschärfste zu verbieten ist! Einen schönen Tag noch, Herr Biddling."

 

(...) Auf dem Heimweg versuchte Richard, seine Gedanken zu ordnen. (...) Eine magische Laterne, eine geheimnisvolle Frau. Die berühmte Kurtisane von Venedig (...) war uns beste Inspiration. Abrupt blieb er stehen. Uns? Warum hatte Zilly uns gesagt? Fügt sich das nicht wundervoll in Ihre Geschichte, Kommissar? Es fügte sich überhaupt nichts! Es war, als habe man ihm eine Kiste loser Blätter vor die Füße gekippt, und bei jedem Versuch, das Durcheinander in die richtige Reihenfolge zu bringen, kam etwas anderes dabei heraus.

 

(Die Farbe von Kristall, S. 293-295, S. 301))

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