|
Übersicht
Leseprobe ...
Elisabeth goß ihr Kaffee nach. "Eine Ehe ist wie ein altes Haus. Ab und zu muß mal ein bißchen frische Farbe drauf." "Ist die Moderfäule erst mal im Gebälk, hilft nur noch Totalsanierung oder Abriß", sagte Hedi. "Ich wünschte mir, ich könnte einmal sein wie Vivienne. Sie würde nach München fahren, drei Tage Spaß haben und ohne einen Funken Reue zurückkommen." "Was ist daran erstrebenswert, aus Lust und Laune das Vertrauen eines Menschen zu mißbrauchen?" Hedi schwieg. Elisabeth rührte in ihrem Kaffee. "Wir führen so viele gefällige Worte im Mund, um uns zu beweisen, wie fortschrittlich und modern wir sind, daß es kaum jemand auffällt, wie oberflächlich, ja wie verletzend sie oft sind. Spaß wollen wir haben, am liebsten rund um die Uhr. Und wenn der andere, aus welchen Gründen auch immer, nicht mithalten kann, wen kümmert das schon? Dann wird er eben aussortiert. Lebensabschnittspartner nennt man so was heutzutage." "Aber ..." "Bitte versteh mich nicht falsch: Es gibt durchaus triftige Gründe, eine Partnerschaft oder Ehe zu beenden, und das sollte man dann auch tun. Aber Trennung aus purem Egoismus? Nur, weil der Partner nicht haargenau meinen Vorstellungen entspricht? Wie kann ich echte Gefühle für jemanden empfinden, wenn ich mein eigenes Wohlergehen über alles stelle? Mit welcher Berechtigung könnte ich echte Gefühle von anderen verlangen? Das ganze Gerede von partnerschaftlicher Freizügigkeit und Toleranz ist nichts als Selbstbetrug." "Willst du mir damit sagen, daß ich besser nicht nach München fahren sollte?" "Wenn du nicht fährst, wirst du dich vermutlich den Rest deines Lebens fragen, ob es richtig oder falsch war."
Interessiert es Sie, was andere Leser zur "Wassermühle" sagen? Oder, was die Presse über mein Buch sagt?
zurück zu Die Wassermühle -
Übersicht
|
|
|
|