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Baumgesicht

Geschichten und Gedichte

 

 

Vorwort zur Neuausgabe

 

Geschichten schrieb ich schon als Kind in Schulheften auf, kaum, daß ich das Alphabet beherrschte. Später verfaßte ich allerlei Gereimtes, und im Alter von etwa sechzehn meinen ersten „Roman“, eine zugegebenermaßen grottenschlechte Liebesgeschichte, die zurecht in einer Schublade verschwand. Nachdem ich eingesehen hatte, daß Schreiben durchaus etwas mit Handwerk zu tun hat, stellten sich erste kleine Erfolge ein: Kurzprosa und Lyrik, zum Teil aus „Hausaufgaben“ eines Fernlehrgangs hervorgegangen, erschienen in Anthologien und Zeitschriften; ich schrieb Artikel über meinen Beruf Polizistin, arbeitete zwei Jahre als Lokaljournalistin und mehrere Jahre in der Redaktion einer Literaturzeitschrift.

 

1995 kam mein erstes Buch heraus: Baumgesicht. Gedichte und Prosa – eine Werkstattausgabe meiner zum Teil bereits veröffentlichten Geschichten und Gedichte. Noch im gleichen Jahr war das Buch vergriffen, und ich widmete mich zunehmend „der großen Form“, dem Romanschreiben. Inzwischen sind drei Romane im Verlagshaus Ullstein-Heyne-List erschienen, und bei meinen Lesungen werde ich immer wieder nach meinem Erstling gefragt. Daraus entstand die Idee, mein Debüt zu überarbeiten und – um einige Texte erweitert – neu aufzulegen. Das Ergebnis halten Sie in den Händen**. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.

 

Nikola Hahn, Sommer 2003 

  

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* ... wenn Sie es kaufen ... 

 

Erfundene Welten. Vorwort zur Erstauflage

 

Alltagsliteratur nennt Nikola Hahn ihre Arbeiten. Simpel gestrickte Happy-End-Stories sind ihr ebenso suspekt wie hochgeistige literarische Ergüsse, die kein Mensch versteht, sagt sie, ihre Prosa und Lyrik (besser: verdichtete Gedanken) wollen nicht unbedingt gefällig, aber doch verständlich sein; die Texte sind zum Teil autobiographisch, allerdings nie vollkommen. Im Gedicht stellt sie den freien Rhythmus dem Reim zur Seite, der sarkastische Einwurf oder die kritische Zustandsbeschreibung haben ihren gleichberechtigten Platz neben dem zarten Stimmungsbild – starke Gegensätze, die hier im Schreiben ihren vielfältigen Ausdruck finden.

 

Verarbeitung des Alltags in der Literatur, der Blick auf das an und für sich wenig Spektakuläre, die Heldinnen und Helden ganz normale Leute – diese sogenannte Alltagsliteratur hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Und doch erfindet sie, wie die Autorin meint, gleichfalls ihre Welten. Das macht für Nikola Hahn den Reiz der Schriftstellerei aus: In ihren Arbeiten zeigt er sich zum einen im konstruktiv-spielerischen Umgang mit den literarischen Formen, zum anderen in der erzählerischen Durcharbeitung der Texte. Hier, in den Erzählkernen gewissermaßen, mag ein biographisches Moment verborgen sein, als Anstoß und Auslöser für das, was zu erzählen ist, das Weltenerfinden eben.

 

Geboren 1963 in Wehrda (Kreis Marburg-Biedenkopf), lebt die Kriminalkommissarin heute in Rödermark. Den Weg von einer Region in die nächste und die berufliche Ausbildung begleiten – nach frühen literarischen Anfängen – ein Fernstudium (Lyrik, Belletristik, Sachliteratur) und praktische Erfahrungen im Schreiben (Freie Mitarbeit bei der Offenbach-Post, Veröffentlichung in Antholo­gien) sowie berufliche Einsätze in den Metropolen: Startbahn West, Hamburg Hafenstraße. Daneben: Zeichnen und Engagement für den Natur- und Umweltschutz.

Zwischen Polizei und Greenpeace? Der Biographie ist ein Spannungsmoment inne, das für viele gewiß nicht einfach nachzuvollziehen ist. Die Literatur spiegelt es wieder zurück; so bleibt, im li-terarisch übertragenen Sinne, das Bemühen um den Ausgleich ein großes – vielleicht das große – Thema im Schreiben von Nikola Hahn. Die Dinge werden aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, die „andere“ Seite erfährt eine sie nicht minder ernst nehmende Betrachtung wie der subjektive Standpunkt der Erzählerin oder des lyrischen Ich selbst. Damit wird freilich ein Anspruch aufgegeben, den wenigstens die hohe Literatur für sich noch postuliert: Einseitig zu sein, ja sein zu wollen und zu müssen. Hier scheiden sich die Wege; bezieht die Alltagsliteratur von Nikola Hahn auch Stellung und gibt Denkanstöße, so vermeidet sie doch Anstößigkeit im Sinne einer tendenziellen Wertung. Auch der Alltag, dieses große Sowohl-als-auch, braucht seine Literatur.

 

Dreieich, im Mai 1995

Michael Neuner

 

 

 

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