
(IGdA-aktuell, Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik, Nr.1/99,
Auszug)
Interview mit Nikola Hahn
IGdA-aktuell:
Wir wissen alle, daß es immer schwieriger wird, einen Verlag zu finden. Dir ist
dies gelungen. Dein Roman "Die Detektivin" ist in der
Econ-Verlagsgruppe erschienen. In der Branche weiß man, daß das Buch immer
mehr zur Ware wird. Wie denkst du darüber?
Nikola
Hahn: Selbstverständlich ist jedes Buch auch ein Produkt, das der Verlag
verkaufen muß. Verlage können nur überleben, wenn sie ihre Bücher verkaufen,
anders geht es gar nicht. Das gilt umsomehr, je mehr das Buch den Anspruch
erhebt, für eine größere Menge von Leuten geschrieben zu sein. Bei
Nischenprodukten, also beispielsweise bei experimenteller Prosa oder bei Lyrik,
die von vornherein einen anderen Anspruch erhebt, als das mein Roman tut, ist
das anders. Wenn man als Autor so etwas schreibt, sollte man allerdings auch so
realistisch sein, keine großen Verkaufserfolge zu erwarten. Was die
Verlagssuche in meinem Fall angeht, so habe ich die üblichen Ordner mit
Ablehnungsschreiben gesammelt, bis ich mich an eine Literarische Agentur wandte.
Innerhalb eines halben Jahres, noch vor Fertigstellung des Buches, hatte ich den
Verlagsvertrag.
IGdA-aktuell:
Ich selbst habe mit Agenturen schlechte Erfahrungen gemacht und daher kein
Vertrauen mehr zu Agenturen. Wie ging es dir?
Nikola
Hahn: Wie gesagt, mit meiner jetzigen Agentur bin ich sehr zufrieden.
Allerdings habe ich vor Jahren eine sehr schlechte Erfahrung mit der Agentur
Poldner in München gemacht, über die ich seinerzeit auch in der IGdA-aktuell
berichtete. Adressen von seriösen Agenturen fand ich im Deutschen Jahrbuch für
Autoren*. (...) Im Zusammenhang mit Agenturen kann ich nur dazu raten,
vorsichtig zu sein, wenn Geld verlangt wird, bevor das Manuskript tatsächlich
an einen Verlag vermittelt wurde.
IGdA-aktuell:
Immer wieder bekomme ich zu hören: Ich muß einfach schreiben, es drängt mich,
Gedanken und Worte zu Papier zu bringen. Wie bist du da vorgegangen?
Nikola
Hahn: Klar, so ein Gefühl, daß man eine Geschichte erzählen will, das
muß schon da sein. Aber das allein reicht meiner Meinung nach nicht aus. Man
muß auch das Handwerkszeug beherrschen, wie in jedem anderen Beruf auch. Hinzu
kommt, daß die Arbeit mit dem Fertigstellen des Manuskripts nicht aufhört, es
sei denn, man hat es nur für sich selbst geschrieben. Aber das machen ja wohl
die wenigsten. Die Idee zur "Detektivin" kam mir beim Telefonat mit
meiner Agentur. Ich hatte vorher schon einen anderen Roman geschrieben**, für
den ich keinen Verlag gefunden hatte. Im Traum hatte ich nicht daran gedacht,
etwas Historisches zu schreiben, weil es mit sehr viel Rechercheaufwand
verbunden ist und ich ja ganztags berufstätig bin. Doch dann fand ich das Thema
so faszinierend, daß ich ein Exposé erstellt habe. Die Agentur hat dann
angefangen, für das Manuskript einen Verlag zu suchen. Als ich den
Verlagsvertrag unterschrieb, im April 1997, habe ich erst mal eine Flasche Sekt
aufgemacht.
IGdA-aktuell:
So einfach ist das?
Nikola
Hahn: Nein, natürlich nicht. Ich habe Kapitelgliederungen erstellt,
Kurzbiographien zu den wesentlichen Figuren geschrieben, die Handlungsfäden
entwickelt, an den Dialogen gefeilt.
IGdA-aktuell:
Klingt immer noch sehr einfach.
Nikola
Hahn: Außerdem habe ich mindestens hundert Bücher über das späte 19.
Jahrhundert gelesen, und sowohl einzelne Passagen wie auch das Gesamtmanuskript
immer wieder überarbeitet, umgeschrieben, gekürzt. (...)
IGdA-aktuell:
Nicht nur durch die anderen Medien,
Internet, Fernsehen etc., wird die Szene immer schwieriger. Im Börsenblatt des
Buchhandels werden daher immer häufiger Schreibakademien gefordert. (...) Was
hältst du davon?
Nikola
Hahn: Talent ist wichtig. (...) Talent braucht aber auch Handwerk, ich
erwähnte es schon. Bei der Schriftstellerei ist es vor allem der Umgang mit der
Sprache, aber auch, wie man Personen charakterisiert, eine logische
Handlung aufbaut, wie man Gefühle ausdrücken kann, wie Dialoge gestaltet
werden und vieles mehr. All das ist lernbar. Ich habe beispielsweise unzählige
Bücher über das Schreiben durchgearbeitet und einen mehrjährigen Fernlehrgang
absolviert.
IGdA-aktuell:
Wir sahen uns voriges Jahr auf der Leipziger Buchmesse. Da war dein Buch
ausgestellt. Es muß für dich ein wunderbares Erlebnis gewesen sein, dein Buch
zwischen den Autoren zu finden, die bereits einen Namen hatten. Warst
du da nicht sicher, es geschafft zu haben?
Nikola
Hahn: Ich war schon sehr stolz, und ich freute mich. Aber ich wußte bereits
durch mein erstes Buch***, wie schwer es ist, dafür zu sorgen, daß es auch
gekauft wird. (...)
IGdA-aktuell:
Was hast du dann getan?
Nikola
Hahn: Ich hatte durch mein erstes Buch, das ich auch selbst verkaufte,
Erfahrungen gesammelt. Ich kannte Buchhändler und erklärte mich bereit, mein
neues Buch wieder durch Lesungen vorzustellen. Ein Buch muß vom Buchhändler
empfohlen werden, aber dazu muß er es erst mal kennen. Ich holte meine alten
Unterlagen hervor und fing von vorne an.
IGdA-aktuell:
Du warst hartnäckig, hast den Dingen nicht ihren Lauf gelassen.
Nikola
Hahn: Was nützt das schönste Buch, wenn es keiner kauft? Ich rief immer
wieder im Verlag bei der Pressestelle und im Vertrieb an, machte Vorschläge
für kostengünstige Werbemaßnahmen, lieferte Anschriften für Pressekontakte.
(...)
IGdA-aktuell:
Ich finde, deine Erfahrungen sind für uns alle sehr wichtig. (...) Ich wünsche
dir für dein nächstes Buch viel Erfolg.
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*
Deutsches Jahrbuch für @utorinnen,
Autorenhaus Verlag Plinke, Berlin (siehe auch: - LINKS -)
**erschien
Juli 2000 unter dem Titel DIE WASSERMÜHLE
***BAUMGESICHT,
Geschichten und Gedichte, Neuausgabe, Norderstedt, 2003
