Es gibt ein paar Pflanzen, auf die jeder Gärtner mit allergrößtem
Vergnügen verzichten könnte, Pflanzen, die wir nicht als Kräuter,
sondern als Unkräuter bezeichnen, und ich will nicht verhehlen,
daß ich schon über das eine oder andere Gewächs geschimpft habe, das es
wagte, mitten durch meine mit Liebe und Bedacht plazierten Blumen oder
Kulturkräuter zu wuchern. Der schlimmste Wüterich, den es unter diesen
ungebetenen Gästen gibt, ist sicherlich der Giersch, denn ganz gleich,
was man mit diesem Kraut auch anstellt, es kommt garantiert wieder - und
sprießt allen Ausrottungsversuchen zum Trotz üppiger denn zuvor. Also
was tun?
Der Giersch ist eines von den Unkräutern, die man auch heutzutage
noch mit gutem Gewissen "Unkraut" nennen darf. Er ist von
unglaublicher Zähigkeit, und wenn man ihn einmal hat, wird man ihn so
leicht nicht los. Wer zu fleißigem Jäten rät, ist entweder ein Schalk
oder kennt den Giersch nicht,
schreibt Jürgen Dahl in seinen Nachrichten aus dem Garten (S. 37).
Dem ist nichts hinzuzufügen, aber beim Weiterlesen keimt Hoffnung:
Den Giersch regelmäßig zu ernten und aufzuessen, ist da schon ein
besserer Rat. Man wird ihn zwar auf diese Weise nicht ausrotten, aber man
sieht ihn gleich in einem anderen Licht: als robustes, absolut
wartungsfreies und unentwegt nachwachsendes Dauergemüse.
Stimmt! Ich esse meinen Giersch seit Jahren, und es bekommt mir und
meinem Garten bestens. Vor allem im Frühjahr, wenn die ersten Blättchen
keimen, sollte man fleißig pflücken! Der Giersch treibt zwar immer
wieder nach, aber die "Blattklauerei" macht ihm zumindest so
viel zu schaffen, daß die anderen Pflanzen ringsum die Chance haben, sich
zu behaupten. Ich stelle sozusagen Chancengleichheit her ... Die jungen
Gierschblätter, deren Aroma ein wenig an Petersilie erinnert, kann man unter alle Blattsalate mischen, die älteren
ergeben, in Butter und Knoblauch gedünstet und mit Pfeffer und Salz
gewürzt, ein wohlschmeckendes Gemüse.
Nachfolgend drei weitere Rezepte, die Sie vielleicht ein wenig mit
Ihrem Unkraut versöhnen:
Löwenzahnhonig
Zutaten:
300 Gramm
Löwenzahnblüten
2 Liter Wasser
2 Kilo Zucker
2 ungespritzte
Zitronen
Zubereitung:
Die Blüten in
dem Wasser kurz aufkochen und über Nacht ziehen lassen. Anderntags alles
durch ein Sieb gießen, die Blüten dabei ordentlich ausdrücken. Den
Blütenauszug wieder aufkochen, Zucker und die in Scheiben geschnittenen
Zitronen hinzufügen und alles auf kleinster Flamme ca. 3-4 Stunden
köcheln lassen, bis die Masse eingedickt ist. Heiß in Gläser füllen
und verschließen. Löwenzahnhonig schmeckt würzig und ist, sorgfältig
zubereitet, von echtem Honig kaum zu unterscheiden.
Haltbarkeit:
Mindestens bis
zur nächsten Ernte.
Brennesselsuppe
(für vier
Personen)
Zutaten:
Eine Schüssel
Brennesselblätter (nach Belieben Blätter von Giersch, etwas Sauerampfer,
Türkische Rauke, Veilchenblätter, Gänseblümchenblätter, einige
Löwenzahnblätter hinzufügen)
3/4 Liter Wasser
1/2 Liter Milch
2 Eßlöffel
Butter
1 - 2 TL Stärke
nach Bedarf
2 Zwiebeln (oder
entsprechende Menge Lauchzwiebeln)
1-2
Knoblauchzehen nach Belieben
Salz, Pfeffer,
Muskat, Bouillon nach Geschmack
1 Becher Sahne
4 TL Naturjoghurt
Einige Stengel
Petersilie oder Schnittlauch
Zubereitung:
Zwiebeln
kleinhacken und in der Butter andünsten, gewaschene und von groben
Stengeln befreite Brennesselblätter (und andere Kräuterblätter) sowie
den durchgedrückten Knoblauch dazugeben und ebenfalls andünsten. Wenn die
Blätter zusammengefallen sind, Wasser und Milch dazugeben, mit Salz,
Pfeffer und Bouillon nach Geschmack würzen und alles ca. 10 Minuten
kochen, bis die Blätter weich sind. Alles pürieren und nochmals
aufkochen. Sahne unterrühren. Wenn die Suppe nicht sämig genug ist, 1-2
TL Stärke mit etwas kaltem Wasser glattrühren und dazugeben.
Die Suppe auf 4
Teller verteilen, in die Mitte jeweils 1 Löffel Joghurt setzen und die
kleingehackten Kräutern darüber streuen.
Gierschreis
Zutaten:
250 gr. Reis (1
Tasse pro Person)
1 EL Butter
1 Liter lauwarmes
Wasser
300-400 gr. Giersch
(je nach gewünschter Geschmacksintensität)
Salz
Zubereitung:
Giersch waschen
und sehr fein hacken. Reis kurz in der Pfanne ohne Fett rösten, mit dem
lauwarmen Wasser übergießen, salzen und ca. 10 - 15 Minuten köcheln
lassen. Wasser abschütten. In einem Topf die Butter zerlassen und den
Giersch darin andünsten, Reis hinzufügen auf dem abgeschalteten Herd
noch ca. 10 Minuten quellen lassen.
Lassen
Sie es sich
schmecken!
Wenn Sie Lust auf mehr haben ... In meiner Bücherkiste
mit Musik
habe ich Literatur zum Thema Wildkräuter/küche
zusammengestellt.