
Zuweilen
höre ich zum
Beispiel Sätze wie: "Ich habe so viel erlebt, da könnte ich ja
glatt auch ein Buch drüber schreiben." Wenn ich einzuwenden wage, daß Bücherschreiben "richtige Arbeit" ist, ernte
ich regelmäßig erstaunte Blicke. Deshalb habe ich den nachfolgenden
Artikel meiner Autorenkollegin Barbara Büchner schmunzelnd zur
Kenntnis genommen und möchte ihn Ihnen nicht vorenthalten
(Auszug):
“Hach”, sagte mir vor einiger Zeit eine junge Dame aus der Schickeria,
“ist ja toll, Bücher zu schreiben, das würde ich auch sooo gerne tun,
ich fühle mich richtig zur Schriftstellerin berufen, aber ich habe ja
für sowas keine Zeit, hab zuviel anderes zu tun!”
Früher habe ich verkrampft gelächelt, wenn ich so etwas hörte. Heute
bin ich sehr kurz angebunden mit solchen Leuten. Mich ärgert die
grenzenlose Dummheit, die hinter der Annahme steckt, man könnte Bücher
so nebenher schreiben, vielleicht in der halben Stunde Zeit zwischen
dem Kosmetiksalon und der nächsten Party. Das ist, als wollte man
sagen: “Ach, so ein Spitzensportler, das ist ein Job, der springt mal
schnell über eine Stange drüber und kassiert dafür ein irres Geld, das
möchte ich auch machen!”
Eine Menge Leute fühlen sich zu SchriftstellerInnen berufen, dazu
gehören auch solche, die gerne einen Bestseller schreiben würden, weil
man da ohne Arbeit zu viel Geld kommt. Überhaupt ist das ein
herrliches Leben, dauernd auf Partys, umschwärmt von Fans, so gut wie
keine Arbeit, mein Gott, so ein Buch, das ist doch schnell geschrieben
und macht auch nicht wirklich Mühe, oder?
Ich begegne tatsächlich noch immer Leuten, die es nicht fassen können,
dass ich keine Zeit habe. “Aber du kannst dir die Arbeit doch
einteilen, oder?” Womit sie eigentlich meinen: Du brauchst doch nur zu
arbeiten, wenn du gerade einmal Lust hast! Dann schauen sie mich
verständnislos an, wenn ich ihnen von Abgabeterminen erzähle, von
Verträgen, von Lektoraten, die auch einen Terminplan haben und ganz
allgemein von der Notwendigkeit, an der Arbeit dranzuhängen, wenn
etwas daraus werden soll. Wenn ich nur dann schreiben wollte, wenn
mich irgendeine ätherische Muse küsste, hätte ich sicher nicht in
fünfzehn Jahren fünfzig Bücher geschrieben. Und, nebenbei bemerkt: Ich
muss wie alle anderen Leute Stromrechnungen, Telefonrechnungen, Miete,
Katzenfutter und Hundesteuer zahlen und könnte das sicher nicht, wenn
mich einmal im Jahr die Inspiration zu einem Haiku überkäme.
Schreiben ist Arbeit, und berufsmäßiges Schreiben ist eine
Hundearbeit.
Copyright: Barbara Büchner; Nachdruck mit
freundlicher Genehmigung der Autorin und von www.federwelt.de
