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Die
Muse schläft im Garten Woher
Autoren ihre Ideen nehmen Eine
der häufigsten Fragen, die ich als Schriftstellerin gestellt bekomme, ist die
nach dem Ursprung meiner Ideen. Dabei ist die Antwort denkbar einfach: Sie
liegen herum. Ich brauche nur hin und wieder jemanden, der mir hilft, darüber
zu stolpern. Wie das? Nun ja, die Idee zu meinem ersten veröffentlichten Roman
war der sprichwörtliche Baum mitten im Wald. Ich hatte ein anderes Manuskript
unzähligen Verlagen geschickt und unzählige Absagen kassiert. Mein Wohnzimmer
hätte ich damit tapezieren können. Entnervt versuchte ich es über
Literaturagenturen, und neue Absagen flatterten ins Haus. Doch dann meldete sich
einer, der Interesse zeigte! Leider nicht an dem Manuskript, das ich vorgelegt
hatte. Die Geschichte gefalle ihm, aber im Moment sehe er leider keinen Verlag,
der das veröffentlichen würde. Es war die hohe Zeit der Superweiber und
Zauberfrauen, da paßte eine Protagonistin, die sich über eben dieses Genre
echauffierte, nicht so recht in die (Verlags-)Landschaft. „Vergessen
Sie´s“, riet mir der Agent. „Schreiben Sie lieber einen Krimi mit einer
interessanten Heldin, das geht dann in Serie, das ist gefragt. Da könnten Sie
jedes halbe Jahr ein neues Manuskript abliefern.“ Alle
Freude war dahin. Mein Gegenüber merkte das offenbar, fragte nach dem Warum.
Was sollte ich sagen? Daß ich nichts gegen interessante Heldinnen, aber absolut
keine Lust hatte, Bücher nach Schema F zu schreiben, in denen das immer
gleiche Erfolgsmuster kopiert wird? Am Ende sollte ich gar eine toughe
Kripobeamtin kreieren, die superduper, jeden Fall löst? Ich versuchte es mit
Humor. „Die interessante Heldin habe ich doch jeden Tag im Dienst.“ Stille
am anderen Ende. Ich dachte, das war´s. Aber es kam die Frage: „Was lesen Sie
eigentlich gerade?“ Ich mußte nicht lange überlegen: „Der Medicus
von Noah Gordon. Ein wunderbares Buch!“ Schweigen. Und dann: „Sie sind
Polizeibeamtin. Sie mögen historische Romane. Haben Sie mal daran gedacht,
beides zu verbinden?“ Die
Idee war geboren, und sie faszinierte mich. Ich besorgte mir Literatur, überlegte,
in welcher Zeit ich den Roman ansiedeln könnte, stieß beim Lesen auf Figuren,
historische Schauplätze, Anekdoten – Material in Hülle und Fülle, aus dem
sich immer neue Ideen entwickelten; ich schrieb ein Exposé, Kurzbiographien zu
meinen Figuren – und plötzlich war das Problem nicht mehr, eine Idee, sondern
viel zu viele Ideen zu haben! Was das mit der Muse im Garten zu tun hat? Stellen Sie sich vor, Sie gehen eine Straße entlang, eine hohe Mauer vor Ihnen, ein rostiges Tor, dahinter ein altes, verlassenes Haus. Efeu und wilder Wein wuchern über zerbröselndes Gestein, wilde Blumen nicken im Wind, ein Duft nach überreifen Äpfeln liegt in der Luft. Wer hier wohl gewohnt haben mag? Die Antwort könnte die Idee zu einem Roman sein ...
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