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Polizeirat Franck wollte seinen ersten Arbeitstag mit den Nachrichten vom Tage und einer Tasse Kaffee beginnen, aber er hatte die Zeitung nicht mal aufgeschlagen, als er zu Polizeipräsident Scherenberg beordert wurde.
"Wir sind in der Sache Pernerstorfer aufgefordert, nach Berlin zu berichten", sagte Scherenberg. "Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich Sie aus dem Urlaub holen soll."
"Ich dachte, Sie wollten dem Kerl Redeverbot erteilen, Herr Präsident?"
"Das habe ich. Ich drohte ihm per schriftlicher Verfügung an, daß er auf der Stelle als lästiger Ausländer ausgewiesen wird, sollte er einen Ton über die österreichische Sozialdemokratie sagen." Scherenberg nahm einen Zeitungsausschnitt von seinem Schreibtisch. "Und was muß ich anderntags in der Presse lesen? (...) Er zitierte aus dem Artikel: "In bürgerlichen Kreisen habe man (...) geglaubt, daß der neue Polizeipräsident eine objektivere Auffassung der Arbeiterdinge bekunden werde. Leider habe man sich getäuscht. Man sei bei uns an manches gewöhnt, aber gegen diese Maßregelung müsse man doch mit aller Energie protestieren."
Er warf den Zeitungsausschnitt auf seinen Schreibtisch und gab Franck eine Depesche. "Da können Sie schwarz auf weiß lesen, wie die Verhöhnung unserer staatlichen Autorität bei den Herren im Ministerium angekommen ist!"
(Die Farbe von Kristall, S. 659/660)
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