Die Farbe von Kristall

Ein historischer Kriminalroman

 

Kurzbiographien

der im Roman auftretenden historischen Personen

 

 

Adickes, Franz (19.02.1846 - 04.02.1915)

Frankfurter Oberbürgermeister von 1891 bis 1912. Man nannte ihn aufgrund seiner Leistungen später den besten Oberbürgermeister Deutschlands, oder spöttisch „Den Großherzog von Frankfurt“. Adickes forcierte Eingemeindungen (1895 Bockenheim, 1900 Oberrad, Niederrad, Seckbach, 1910 elf weitere Gemeinden), schaffte durch die Lex Adickes die Möglichkeit, Wucherpolitik im Wohnungsbau vorzubeugen und entwickelte erstmals in der Frankfurter Geschichte eine längerfristig angelegte planerische Initiative u.a. im Straßenbau. Die wichtigsten Felder der Adickes´schen Kulturpolitik lagen bei den Museen und der Kunstförderung (Gründung des Völkerkundemuseums, Aufbau einer Städtischen Galerie) und auf dem Gebiet der Wissenschaft. Den Abschluß seiner politischen Laufbahn krönte er mit der Gründung der Stiftungsuniversität Frankfurt.

Unter der Amtszeit von Adickes entwickelte sich Frankfurt zur modernen Großstadt. Als er sein Amt antrat, hatte die Stadt rund 180 000 Einwohner, als er es im Oktober 1912 aus gesundheitlichen Gründen niederlegte, zählte Frankfurt mehr als 425 000 Einwohner.

Die im Roman geschilderte Suggestivkraft Adickes auf die „Stiftungsfreudigkeit der Frankfurter Millionäre“ ist bei Klötzer, Wolfgang, Kleine Schriften zur Frankfurter Kulturgeschichte, Frankfurt 1985, überliefert.

 

 

Alzheimer, Alois, Prof. Dr. (14.6.1864 - 19.12.1915)

Geboren in Marktbreit in Unterfranken, studierte er ab 1883 in Berlin und später in Würzburg Medizin, mit Schwerpunkt Anatomie und Pathologie. Im Dezember 1888 erhielt Alzheimer eine Anstellung als Assistenzarzt in der Irrenanstalt in Frankfurt am Main. Der Direktor der Klinik, Dr. Emil Sioli und Alzheimer waren (später verstärkt durch einen weiteren Assistenzarzt Dr. Nissl) die einzigen Mediziner an der Klinik und zuständig für 170 Patienten. Die Geheimnisse des Gehirns und die Gründe für dessen Verfall beschäftigten Alzheimer nicht nur am Tage bei seinen Visiten, sondern auch nachts im Labor, wenn er die Hirnrinde von Verstorbenen begutachtete. Durch neue Färbetechniken gelang es Nissl, Nervenzellen in nie dagewesener Schärfe unter dem Mikroskop sichtbar zu machen, die Voraussetzung, unter der es Alzheimer schließlich gelang, zum ersten Mal sog. Plaques zu entdecken, krankhaft verdickte Stellen im Hirngewebe, ein Symptom der Krankheit, für die sein Name einmal stehen sollte.

Daneben war Alzheimer auch als Gerichtsgutachter tätig und sprach von revolutionären Dingen wie „eingeschränkter Schuldfähigkeit“, wenn andere Psychiater von „unverbesserlicher Gauner“ redeten. 1903, zwei Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau, verließ Alzheimer Frankfurt und ging als wissenschaftlicher Assistent nach Heidelberg, später an die Königlich Psychiatrische Universitätsklinik nach München. Am 3. November 1906 hielt Alois Alzheimer auf der 37. Jahrestagung der Südwestdeutschen Irrenärzte ein Referat über eine neue Krankheit, die er an der 1901 in Frankfurt eingelieferten und am 8.4.1906 gestorbenen Patientin Auguste Deter beobachtet hatte. Der Fall Auguste D. ging als erste Alzheimerdiagnose  in die Medizingeschichte ein.

Die im Roman beschriebenen Äußerungen Auguste Deters sind authentisch. Sie wurden von Dr. Alois Alzheimer am 29.XI.1901 im Krankenblatt der Patientin notiert.  

 

 

Arendt, Henriette (11.11.1874 - 1922)

Henriette Arendt wurde als Tochter eines jüdischen Großkaufmanns in Königsberg geboren. Sie besuchte die höhere Töchterschule und die Ecole supérieur in Genf, danach ein Jahr die Handelsschule in Berlin. 1895/96 machte sie am Jüdischen Krankenhaus in Berlin eine einjährige Ausbildung zur Krankenpflegerin, verließ 1898 die Jüdischen Gemeinde und trat in den Berliner Schwesternverband vom Roten Kreuz „Haus Augusta“ ein.

1902/1903 wechselte sie in den Stuttgarter Hilfspflegerinnenverband. Im Februar 1903 fing sie beim Stadtpolizeiamt Stuttgart als Polizeiassistentin an.

Wie im Roman geschildert, gehörte die Überwachung der polizeiärztlichen Untersuchungen zu den Hauptaufgaben der Polizeiassistentin. Henriette Arendt begnügte sich jedoch damit nicht, sondern sah ihr Aufgabengebiet auch in der Kinderfürsorge. Sie unternahm mehrere Dienstreisen und informierte sich u.a. auch bei der Centrale für private Fürsorge in Frankfurt am Main (1906). Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit von Henriette Arendt war die Bekämpfung des Kinderhandels. Sie trat mit Vorträgen und durch Publikationen zum Thema an die Öffentlichkeit und zog sich dadurch nicht nur den Ärger ihrer Vorgesetzten im Stadtpolizeiamt zu, sondern geriet auch mit der Vorsitzenden des Hilfspflegerinnenverbandes und der zu ihrer Entlastung eingestellten Gehilfin über Kreuz. Henriette Arendts öffentliche Kritik an Mißständen, eine Liebesaffäre mit einem Angehörigen des Stadtpolizeiamtes, Vorwürfe der Unterschlagung und das Bekanntwerden eines Suizids mit Einweisung in eine Irrenanstalt während ihrer Schwesternzeit in Berlin wurden ihr zum Vorwurf gemacht und führten letztlich dazu, daß sie am 18.11.1908 kündigte. 1910 erschien ihr Buch Erlebnisse einer Polizeiassistentin, in dem sie u.a. Interna der Behörden in voller Länge und mit Namen veröffentlichte. Das Buch löste einen Skandal aus. In den folgenden Jahren publizierte Henriette Arendt zwei Bücher zum Thema Kinderhandel, in denen sie anhand drastischer Beispielsfälle Einblick in das Elend der „vergessenen Kinder“ und in das kriminelle Milieu der Kinderhändler bot.

Obwohl Henriette Arendt im Roman als Person genannt wird, habe ich mich für meine fiktive Polizeiassistentin Laura Rothe weitgehend von der Biographie Henriette Arendts inspirieren lassen. Das Schreiben des Jüdischen Krankenhauses ist bis auf den Namen authentisch, ebenso die Schilderung des Arbeitsgebietes der Polizeiassistentin.

 

 

Ehrlich, Paul, Prof. Dr. (14.3.1854 - 20.8.1915)

Der Sohn eines Destillateurs studierte u.a. in Breslau, Leipzig und Straßburg Medizin. Schon als junger Assistenzarzt in Berlin erregte Ehrlich die Aufmerksamkeit des berühmten Robert Koch durch seine intensiv betriebenen Studien neuer Färbemethoden von Bakterien. Es gelang ihm, eine Färbemethode zu entwickeln, mit der die Erkennung von Tuberkel-Bakterien wesentlich erleichtert wurde; Robert Kochs Entdeckung erhielt dadurch ihren praktischen Wert. 

Im Einvernehmen mit Oberbürgermeister Adickes wurde Paul Ehrlich 1899 nach Frankfurt berufen und mit der Leitung des neugegründeten Königlichen Instituts für experimentelle Therapie beauftragt. Dort begann Ehrlich mit der Krebsforschung, aber er hatte zunächst keine Möglichkeit, seine neuen Ideen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch chemische Substanzen zu überprüfen.

1903 erhielt er von der jüdischen Bankierswitwe Franziska Speyer eine Million Goldmark für Bau und Unterhalt seines Institutes und u.a. zur Erforschung einer häufig vorkommenden, aber tabuisierten Krankheit: der Syphilis. 1909 entdeckte er das Salvarsan (organisches Arsen) zur Behandlung der Syphilis.

Ehrlich war ein unkonventioneller Wissenschaftler. Wie im Roman geschildert, herrschte in seinem Arbeitszimmer kreatives Chaos, er rauchte unentwegt Zigarren und nahm seinen Dackel mit ins Labor. Ehrlich gehörte zu den wenigen Männern seiner Zeit, die den „Einbruch“ von Frauen in eine der heiligsten Männerburgen nicht nur zuließen, sondern sogar aktiv unterstützten. Ehrlich gilt als Begründer der experimentellen Chemotherapie. 1908 erhielt er gemeinsam mit dem russischen Bakteriologen Ilja Metschnikow für seine Arbeit auf dem Gebiet der Immunchemie den Nobelpreis.

 

 

Fürth, Henriette (15.8.1861 - 1.6.1938)

Als Tochter einer jüdischen Familie in Gießen geboren, lebte sie nach ihrer Heirat in Frankfurt. Sie hatte acht Kinder und trat 1891 mit einer kritischen Publikation über das Pflegekinderwesen an die Öffentlichkeit. 1907 erschien ihr Buch Mutterschutz durch Mutterschaftsversicherung. Henriette Fürth war in der Centrale für private Fürsorge tätig und arbeitete in der Rechtsschutzstelle für Frauen. Sie engagierte sich für die Rechte der Frauen, insbesondere für das Wahlrecht. 1931 erhielt sie die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. 1933 erteilten ihr die Nazis Berufsverbot.  

 

 

Hopf, Karl Emanuel (26.3.1863 - 23.3.1914)

Hopf wurde in Frankfurt geboren und wuchs in gutem Elternhaus auf. Er besuchte die Musterschule bis zum Einjährigen und erlernte im elterlichen Haus den Drogistenberuf. Bis 1885 diente er beim Frankfurter Traditions-Infanterie-Regiment als Freiwilliger. Später ging er als Drogist für längere Zeit nach London, lebte zeitweise in Casablanca und reiste nach Indien, mußte das Land aber wegen einer Malariaerkrankung verlassen. In England und Marokko ließ er sich im Florett- und Säbelfechten ausbilden. In London erwarb er einen Weltmeistertitel im Säbelfechten. 1891 kehrte Hopf nach Deutschland zurück und gründete in Wörsdorf bei Idstein eine Futtermittelhandlung, in der er auch mit Drogen und Chemikalien handelte.

Einem Verhältnis mit seiner Haushälterin entsprang ein Sohn, der im Alter von sechs Monaten 1896 starb. Die Futtermittelhandlung erwies sich als Verlustgeschäft, und Hopf ließ sich in der Katharinenstraße in Niederhöchstadt nieder, wo er eine Hundezucht begann, in der er sehr erfolgreich war. Für einen seiner Hunde erhielt er den Kaufpreis von zehntausend Goldmark. Die von ihm betriebene Hundezucht gab ihm die Möglichkeit, sich mit medizinisch toxikologischen und bakteriologischen Studien zu befassen. Hopf stellte selbst Arzneien her, u.a. auf homöopathischer Basis und entwickelte ein probates Mittel gegen die Hundestaupe. Außerdem verfaßte er ein Buch mit dem Titel Der St. Bernhardshund.

1907 gab Hopf die Hundezucht auf, verkaufte sein Anwesen in Niederhöchstadt und zog nach Frankfurt. Unter den Künstlernamen „Athos“ und „Captain Charles Vernon“ trat er als Degenfechter sehr erfolgreich im Variété auf, u.a. im Schumann-Theater in Frankfurt. Im April 1912 heiratete er in London zum dritten Mal. 

(Anmerkung: Weitere Angaben zu Hopfs Biographie muß ich hier leider unter den Tisch fallen lassen, da ich Ihnen die Spannung nicht verderben will. In meinem Roman stehen sie aber im Anhang, ebenso wie die vollständigen anderen biographischen Angaben der hier genannten Personen.)

Bei der Darstellung Hopfs habe ich mich eng an die historischen Fakten gehalten. Wo diese Lücken aufwiesen bzw. Raum für Deutungen ließen, habe ich mir die schriftstellerische Freiheit der fiktionalen Ausschmückung herausgenommen.

So ist es aufgrund des mehrfachen Aufenthaltes von Hopf in England zwar möglich, aber wenig wahrscheinlich, daß er Conan Doyle getroffen hat. Jedenfalls gibt es keinerlei diesbezügliche Belege. Die frappierende Übereinstimmung der Charakterisierung des Sherlock Holmes mit Hopf ist eine bloße Zufälligkeit, die mich als Autorin allerdings zur Ausgestaltung reizte. Daß Hopf die Geschichten von Sherlock Holmes kannte, ist historisch nicht belegt, aber immerhin einigermaßen wahrscheinlich, da der beste Detektiv der Welt damals wie heute weltbekannt war - und Hopf sich durchaus für Kriminalliteratur interessierte, wie der sichergestellte Giftmordroman nach seiner Verhaftung bewies.

Ein wenig Freiheit habe ich mir in bezug auf die Beschreibung des Hopfschen Anwesens in Niederhöchstadt erlaubt; auch Benno und Briddy sowie die alte Ännie sind ein Produkt meiner Phantasie. Allerdings hat es die Warnungen, die ich im Roman Ännie zuschreibe, tatsächlich gegeben - und zwar von der Dienerin der zweiten Frau Hopf, Christine, an deren Eltern in Frankfurt. Bei der Dienerin handelt sich um die in dem Artikel „Lehren des Prozesses Hopf“ genannte Frau Wüst.

 

 

Lichtenstein, Hermann Richard (1852 - 26.2.1904)

Lichtenstein war ein angesehener Frankfurter Geschäftsmann, verheiratet und Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern im Alter von zehn bis zwanzig Jahren. Seine Firma (Klavierhandel und Klavierverleih), die er von seinem Vater Leopold übernommen hatte, betrieb er lediglich mit Hilfe seines Auslaufers Anton Schick. Lichtenstein war ein wohlhabender Mann, denn um die Jahrhundertwende gehörte ein Klavier in jedem bürgerlichen Haushalt zum guten Ton.

Im Laufe der späteren polizeilichen Ermittlungen stellte sich heraus, daß Lichtenstein in der Mittagspause ab und zu zwielichtigen Damenbesuch empfing. Im Roman spielt dieses (historisch authentische, aber für die Tataufklärung bedeutungslose) Detail eine gewisse Rolle, führt diese Spur den ermittelnden Kommissar Biddling zu dem Hundezüchter Karl Hopf, eine rein fiktionale Verbindung. Es mag sein, daß Lichtenstein und Hopf sich gekannt haben. Historisch belegt ist es nicht. 

Die Kommissare, die im Fall Lichtenstein ermittelten, hießen Bußjäger, Wieland und Brummond, und der Name des zuständigen Polizeirats war Wolff. Der Erste Staatsanwalt von Reden ist authentisch.

 

 

Pappenheim, Bertha (27.2.1859 - 2. 5. 1936)

Berta Pappenheim wurde als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wien geboren. Bei der Pflege ihres Vaters erkrankte sie an Hysterie und wurde von dem Psychoanalytiker Breuer behandelt, der ihren Fall seinem Freund Sigmund Freud schilderte. Die Krankengeschichte Bertha Pappenheims ging als Der Fall Anna O. in die Geschichte der Psychoanalyse ein.

Nach dem Tod ihres Vaters zog Berta Pappenheim 1889 nach Frankfurt. 1902 gründete sie den Israelitischen Mädchenclub, eine Einrichtung für berufstätige junge Jüdinnen. Von 1895 bis 1907 leitete sie das Jüdische Mädchenwaisenhaus in der Theobaldstraße 21, später ein Heim für gefährdete Mädchen und uneheliche Kinder in Neu-Isenburgs. Bertha Pappenheim starb infolge eines Verhörs durch die Gestapo 1936.

 

 

Paulus, Katharina „Käthchen“, „Miss Polly“ (22.12.1868 - 26.7.1935)

Geboren in Zellhausen (b. Seligenstadt), lebte sie seit ihrem zehnten Lebensjahr mit ihren Eltern in Frankfurt. Von Beruf Näherin, erlernte sie nach der Bekanntschaft mit dem Fallschirmspringer Hermann Lattemann die Herstellung und Reparatur von Fallschirmen und Ballonen und unternahm 1893 ihren ersten Fallschirmsprung vom Ballon. Nachdem ihr Bräutigam Lattemann 1894 tödlich verunglückte, führte Käthe Paulus - nach einer Unterbrechung - ihre Absprünge alleine fort. Bis zum Jahr 1909 sprang sie einhundertsiebenundvierzigmal. Zwei luftakrobatische Vorführungen verbanden sich vor allem mit ihrem Namen: ein Doppelsprung mit zwei sich nacheinander öffnenden Fallschirmen und der Aufstieg mit dem „Fahrrad-Ballon“, einem Reklamefahrzeug der Adlerwerke in Frankfurt. In Frankfurt stieg „Käthchen“ regelmäßig vom Zoologischen Garten auf. 1909 wurde Käthe Paulus erste deutsche Motorflugschülerin, beendete die Ausbildung aber nicht. 1915 eröffnete sie in Berlin eine Fertigungsfirma für Rettungsfallschirme. Der von ihr entwickelte „Paulus-Schirm“ rettete im ersten Weltkrieg vielen Artillerie-Beobachtern das Leben, u. a. den Besatzungen von zehn Beobachtungsballonen, die im April 1917 vor Verdun abgeschossen wurden. Dafür erhielt sie das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. Sie starb einsam und verarmt in Berlin.

 

 

Popp, Dr. Georg  (31.07.1861 - 15.02.1943)

Dr. Popp absolvierte eine Lehrzeit als Handels- und Nahrungsmittelchemiker in Marburg, Leipzig und Zürich und gründete 1888 ein Laboratorium in Wiesbaden. Als süddeutsche Kriminalpolizeistellen an ihn herantraten und um Untersuchungen giftverdächtiger Substanzen baten, erwachte ihn ihm die Leidenschaft für forensische Chemie und Toxikologie. Auf eigene Initiative gründete er in Frankfurt ein neues Labor, in dem er sich vorwiegend mit toxikologischen und verwandten naturwissenschaftlichen Untersuchungen für kriminalistische Zwecke beschäftigte.

Dr. Popp gehörte zu den Begründern der naturwissenschaftlichen Kriminalistik. Viele spätere Leiter von gerichtlich-chemischen Instituten sind durch seine Schule gegangen. Immer wieder wurde er als Gutachter zu Gericht bestellt, so unter anderem im Mordfall Lichtenstein, wo er auf die zukünftige Bedeutung des Fingerabdrucks hinwies. 1924 wurde Popp als einer der ersten deutschen Gerichtschemiker zum Honorarprofessor für forensische Chemie ernannt. Die Frankfurter nannten ihn „den Jäger“ - in doppeltem Sinne, denn sein größtes Hobby war die Jagd. Er starb 82jährig in einer Jagdhütte bei Urberach.

Der im Roman erzählte Irrtum über den „weiblichen“ Fingerabdruck und den Damenschuh ist Dr. Popp tatsächlich unterlaufen und führte die Polizei zunächst auf eine völlig falsche Fährte.

 

 

Sonnemann, Leopold ( 29.10.1831 - 30.10.1909)

Geboren in Höchsberg bei Würzburg, Sohn eines Webers. Seine Lebensgeschichte zeigt den weiten Weg von der Existenz fränkischer Dorfjuden zum Honoratior der Großstadt Frankfurt. Ihren tatsächlichen Wohnsitz nahm die Familie zunächst in Offenbach, dort besuchte Leopold Sonnemann die Realschule bis zum 14. Lebensjahr; danach trat er in das väterliche Geschäft, den Tuchhandel ein. 1849 erfolgte der Umzug nach Frankfurt. Nach dem Tod des Vaters übernahm Sonnemann das väterliche Geschäft. In diesem Zusammenhang lernte er den Bankier Rosenthal kennen, der für seine Kunden einen täglichen Geschäftsbericht herausgab und Sonnemann auf die Idee brachte, diese Berichte in Form einer regelmäßig erscheinenden Zeitung zu veröffentlichen. Unter dem Titel Frankfurter Handelszeitung erschien das Blatt ab 1856, zwei Jahre später wurde erstmals ein politischer Leitartikel abgedruckt. 1866, nach der Annexion Frankfurts durch die Preußen, mußte Sonnemann fliehen, kehrte aber bald nach Frankfurt zurück. Unter dem Titel Frankfurter Zeitung und Handelsblatt  ließ er seine Zeitung wiederaufleben, die sich aller preußischer Restriktionen und Gängeleien zum Trotz - insbesondere in der Ära Bismarck - zum Weltblatt entwickelte. 

Die Frankfurter Zeitung gehörte in Deutschland zu den ersten, die sich die Möglichkeiten der schnellen Nachrichtenübermittlung durch Telegraphen voll nutzbar machte und baute sich ein erstklassiges Netz von eigenen Berichterstattern und Korrespondenten in aller Welt auf. Um die Nachrichten möglichst zeitnah an den Leser zu bringen, erschienen mehrere Ausgaben täglich, dennoch blieb die Gewissenhaftigkeit der Tatsachenprüfung stets oberste Prämisse.

Politisch hatte sich Sonnemann zunächst in den Arbeiterbildungsvereinen engagiert , wandte sich aber gegen jeden Klassenkampf. Sein vehementer Einsatz für die Pressefreiheit brachte ihn einmal für zwei Monate ins Gefängnis. Von 1869 bis 1880 und 1887 bis 1904 war er Frankfurter Stadtverordneter und, aufgrund seines politischen Einflusses, „Königsmacher“ für die Ernennung der Frankfurter Oberbürgermeister Miquel und Adickes. Sonnemanns rege Tätigkeit für Frankfurt hatte nicht zuletzt seine Ursache in der Überzeugung, für eine der zentralen demokratischen und politisch wichtigen Städte Deutschlands zu arbeiten. Seine Zeitung überlebte ihn bis zum Jahr 1943, als sie von den Nazis verboten wurde. 

 

 

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