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Den Mörder versprochen - und geliefert

 (Lesung in Schöneck, Frankfurter Neue Presse, 29.1.03 - Auszug -) 

 

"Ich werde Ihnen noch heute abend den Mörder präsentieren", versprach die Autorin Nikola Hahn zu Beginn ihrer Lesung im Büdesheimer Alten Schloss. Nicht gerade das, was sich Krimileser wünschen, bevor sie sich selbst durch etwa 800 Seiten Spannung geschmökert haben. "Dann geh ich jetzt!" verkündete deshalb ein Besucher und stand auf. 

So begann unter Gelächter der Leseabend einer Autorin, die nicht nur ihren neuesten historischen Kriminalroman vorstellte, sondern unterhaltsam und informativ über historische Hintergründe, ihre Quellenstudien und sich selbst berichtete. Mit annähernd 100 Besuchern drohte der Brendelsaal aus allen Nähten zu platzen - auch der eingangs genannte Herr blieb. (...)

"Ich wollte den Fall so rüber bringen, wie er wirklich passiert ist", erklärte die Autorin und ließ das Publikum ein wenig an ihrem ausführlichen Quellenstudium teilhaben. Es führte sie zu den Wurzeln ihres eigenen Berufsstandes, als die "Daktyloskopie" - das Fingerabdruckverfahren - noch in den Kinderschuhen steckte. Die Suche nach der echten Akte des Mordfalles entpuppte sich als Krimi für sich. Heute sind die Schriftstücke verschwunden. (...) Mit kleineren Textausschnitten stellte Nikola Hahn ihre Hauptpersonen vor und erklärte anschaulich ihre Schwerpunkte beim Schreiben. Die Person der Assistentin Laura Rothe etwa geht zurück auf Henriette Arendt, die 1903 als erste Polizeiassistentin für Aufsehen sorgte. Zu dieser Zeit konnten Frauen, die alleine auf der Straße angetroffen wurden, auf bloßen Verdacht hin von Polizisten in Gewahrsam genommen werden. Diese "Polizeimatronen" wurden eingestellt, um polizeiärztliche Untersuchungen zu überwachen oder fürsorgliche Tätigkeiten auszuführen. Ihre offizielle Bezeichnung "Schwester" spreche für sich, so Hahn. 

Quer durch alle gesellschaftlichen Schichten gehen die Einblicke in den Alltag des alten Frankfurt. Und wer ist nun der Mörder? Hahn löste ihr Versprechen ein und ...(Anm.der Autorin: Hier erlaube ich mir eine kleine Weglassung) So endete dieser Abend, wie er begonnen hatte: mit fröhlichem Gelächter. 

Renate Casey

 

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