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Krimi über einen Mord vor fast hundert Jahren

(Höchster Kreisblatt, 12.11.02, - Auszug - )

 

Trotz Buchmesse vor der Tür und den neuen Medien, die das Papier ja immer mehr verdrängen sollen, scheinen viele von Büchern nicht genug zu bekommen. Reges Interesse für das gedruckte Wort, vor allem das gedruckte Wort im Krimi-Genre, hatten auch mehr als 90 Besucher, die in der Gemeindebücherei (Liederbach) eine Kostprobe des neuen Kriminalromans von Nikola Hahn hören wollten. "Die Farbe von Kristall" entführt den Leser auf 816 Seiten in ein Frankfurt im Jahr 1904, in dem Droschken das Stadtbild beherrschen, die Leute kleine Fachwerkhäuser in engen Gassen bewohnen udn mit der Trambahn zum so genannten Zentralbahnhof fahren.

Da ereilt die Nachricht eines Mordes mitten auf der Zeil das Polizeipräsidium, damals in einem dreistöckigen Bau im Stil der Renaissance untergebracht. Opfer ist der Klavierhändler Hermann Lichtenstein, dessen trauriges Schicksal keineswegs auf Fiktion beruht. "Ein wesentlicher Unterschied zu meinen früheren Büchern ist, dass dem Buch ein authentischer Kriminalfall zu Grunde liegt", sagt die Autorin, die ihr erstes Buch 1995 veröffentlichte. Bereits bei den Recherchen zu ihrem ersten Roman "Die Detektivin" stieß die 38-Jährige auf den Fall, der in die Kriminalgeschichte einging. "Es gibt eine Akte dazu, irgendwo im Keller des Präsidiums, doch wo die liegt, weiß kein Mensch", so Nikola Hahn. 

Sie hatte das Glück,  einen früheren Pressesprecher zu finden, der die Akte so gut wie auswendig kannte. Auch die Zeitungen der Zeit waren ein ergiebiger Fundus und gute Quelle für ihren Roman. "Da stand alles drin. Von der Lage der Leiche, bis hin zur Anschrift der Verdächtigen und Zitaten aus der Gerichtsverhandlung", sagt Hahn. Dass dies heute undenkbar ist, weiß die (...) Autorin nur zu gut. Nikola Hahn lebt nicht vom Schreiben, sondern ist seit über 18 Jahren bei der Polizei. Das Spezialgebiet der Kriminalhauptkommissarin vom Polizeipräsidium Offenbach ist Raub und Erpressung udn in ihren Büchern möchte sie darstellen, was Polizeiarbeit eigentlich bedeutet. "Ich habe die Intention, die Wurzeln der Kriminalistik zu beleuchten und zu den Anfängen meines Berufes zurückzugehen." (...)

Rund zwei Jahre Arbeit stecken im neuesten Buch der Offenbacherin, das sie 20 Mal überarbeitet hat. "Nicht das Schreiben ist die Hauptarbeit, sondern die Recherche und das Korrigieren", sagt die Polizistin. (...) Wer auf den Geschmack gekommen ist, der muss die Romane der Hauptkommissarin kaufen. "Bei uns ist im Moment alles von ihr verliehen, und man muss vorbestellen", so Büchereileiterin Andrea Simoneit.

Tanja Schmidgunst

 

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