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Leichenfeste Autorin entführtins Frankfurt des vergangenen Jahrhunderts
(Der Bote, 6.11.02, - Auszug - )
Als die Besucherinnen und Besucher kollektiv zusammenzuckten, kann Nikola Hahn nur lächelnd die Schultern zucken: "Das heißt nun mal so: Leichenfest", berichtet sie auf Nachfrage aus ihrem Alltag als Kriminalhauptkommissarin bei der Kripo in Offenbach. Und da eben bei weitem nicht jede Frau "leichenfest" sei, gäbe es in ihrer Abteilung (...) nicht ganz so viele Frauen. Sie selbst dagegen ist es: Leichenfest, sowohl was ihren Brotberuf als auch ihren zweiten Beruf, das Verfassen von Kriminalromanen angeht, dem sie "fast die gesamte Freizeit, Abende und Wochenenden" widmet. Das Ergebnis: In diesem Herbst ist Nikola Hahns zweiter historischer Kriminalroman (...) erschienen, der bereits sehnsüchtig erwartet wurde. Schon ihren ersten Krimi hatte die 38-jährige in der Wächtersbacher Buchhandlung "Dichtung & Wahrheit" vorgestellt udn damit eine große Anhängerschar gefunden, die bereits seit vier Jahren begierig auf eine Fortsetzung wartete. Rund 70 Gäste drängten sich denn auch (...) auf den Stühlen, lehnten an Regalen und Packtischen und versperrten verspäteten Gästen den Zutritt in den Veranstaltungsraum - mehr Besucher hätte die Buchhandlung im Herzen der historischen Altstadt schlicht nicht mehr fassen können. (...) Für jene, die einen Platz ergattert hatten, waren die folgenden 90 Minuten ein literarischer Genuss: (...) Akribisch, wie schon in ihrem Erstling "Die Detektivin", hat Nikola Hahn die Lebensumstände der Bevölkerung studiert, für ihre Recherchen zuweilen mehr Arbeit benötigt, als für das eigentliche Schreiben. Herausgekommen ist ein Sittenbild des alten Frankfurt, in dem auch wieder berühmte Personen der Zeitgeschichte ihren Platz finden: War es in der "Detektivin" der Arzt und Erfinder des "Struwwelpeter", Heinrich Hoffmann, so sind es in ihrem neuen Roman Sherlock Holmes, der Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes und die Jüdin Berta Pappenheimer, die in den Studien von Freud und Breuer als "Anna O." Geschichte machte. Von Stuttgart nach Frankfurt "geholt" hat Hahn dagegen die erste weibliche Polizistin, deren Auftauchen im Revier nicht nur auf uneingeschränkte Begeisterung stieß. (...) Donnernder Beifall vergalt der Schriftstellerin ihre Arbeit, und für alle Fans war es großartig zu hören, dass Nikola Hahn schon wieder mit dem Gedanken an einen weiteren historischen Roman spielt. Wieder in Frankfurt, diesmal aber möglicherweise in den 20er Jahren - dass das Erscheinen aber "bestimmt noch mindestens zwei Jahre" dauern wird, war der einzige Wermutstropfen, mit dem die Autorin aufwarten musste.
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