Frische Kräuter aus dem eigenen Garten oder von der
Fensterbank sind ein Genuß, den nichts Gekauftes ersetzen kann,
selbst dann nicht, wenn es in Töpfchen im Supermarkt zu erwerben ist. Im
Zimmer haben diese Pflanzen meist nur eine kurze Lebensdauer, was nicht
nur an zu wenig Licht und zu viel Wärme, sondern auch daran liegt, daß
diese "Topfkräuter" in Großgärtnereien in sehr kurzer Zeit
herangezogen werden und im Prinzip für den schnellen Verzehr gedacht
sind. Billiger kommt es, wenn man sich gleich für die plastikverpackte
Variante entscheidet, vom Aroma und der Haltbarkeit her gibt das keinen
großen Unterschied. Zugegeben, auch ich greife im Winter hin und wieder
zu Supermarktkräutern, aber nur dann, wenn ich größere Mengen
benötige. Für den täglichen Bedarf läßt sich ein
"Kräuterbeet" auf kleinstem Raum anlegen, ja, viele Kräuter
gedeihen sogar problemlos im Topf - auch auf der Fensterbank!
Der Klassiker ist die Kresse, die in den allseits
bekannten Kresseschalen am Fensterbrett herangezogen wird. Das geht
spielend leicht, und wenn man in zwei Schalen abwechselnd sät, hat man
immer frische Kresse zur Hand.
Petersilie, Suppengrün (Sellerie) und auch Schnittlauch
sind in begrenztem Maße frosttolerant, das heißt, wenn´s draußen nicht
allzu kalt ist, können Sie weiterhin ernten. Während sich mein
Schnittlauch im Dezember regelmäßig unter die Erde verkrümelt hat und
erst Ende Februar wieder nach draußen lugt, kann ich von der Petersilie
(glatte ebenso wie krause) und vom Sellerie je nach Wetterlage bis in den
Januar ernten. Nur bei strengen Frösten ist die Freude erst mal
vorbei.
Gleiches gilt für Thymian und Salbei - wenn der Winter
nicht allzu streng ist, kann man auch im Winter immer wieder ein paar
Blättchen abzupfen. Wenn Sie ein kühles, helles Plätzchen im Haus haben
(Schlafzimmer, unbeheizter Wintergarten, Diele, helles Kellerfenster),
können Sie den ganzen Winter über Rosmarin ernten. Ich habe zwei Töpfe
und ein kleines Bäumchen im Wintergarten stehen, und es umgibt mich
jedesmal ein wunderbarer Duft, wenn ich einige Spitzen kappe, um
Rosmarin-Bratkartoffeln zu machen.
Ein dankbarer Strauch, der sogar einige Minusgrade
aushält, ist der Lorbeer. Genügsam in seinen Ansprüchen, mag er im
Sommer ein halbsonniges bis sonniges Plätzchen, nimmt´s auch nicht
übel, wenn man mal das Gießen vergißt, und im Winter schmückt er als
immergrüner Strauch Diele oder Wintergarten. Wer einen Lorbeerstrauch
hat, braucht nie wieder Lorbeerblätter zu kaufen!
Ein anderes, sehr genügsames, und noch dazu leckeres und
hübsch blühendes Kraut für drinnen und draußen ist der
Zimmerknoblauch. Die Blätter erinnern entfernt an die Schöpfe der
Grünlilie, riechen auffallend nach Knoblauch und schmecken auch danach.
Man kann den - im Sommer mit rosa Blüten verzierten - Topfknoblauch am
Fensterbrett oder sommers draußen im Halbschatten kultivieren. Die Triebe
bleiben auch im Winter grün und können - kleingeschnitten - an alle
Gerichte gegeben werden, die man ansonsten mit Knoblauch würzt.
Wenn man Kräuter kultiviert, wird man immer wieder
Vorlieben entwickeln. Ich mag die sogenannten Pfefferblätter, Hoja Santa,
das Mexikanische und Piper sarmentosum, das Thailändische
Pfefferblatt. Ersteres hat große, weiche Blätter und kann als
Kübelpflanze stattliche Ausmaße erreichen, das zweite ist kleiner,
wächst eher wie eine Ampelpflanze und gedeiht auch auf der Fensterbank.
Die großen Blätter von Hoja Santa sind hervorragend geeignet, um
Fisch darin einzuwickeln und dann im Ofen zu garen. Das Thailändische
Pfefferblatt gibt Suppen und pfannengerührten Gerichten ein
"asiatisches" Aroma.
Wer es gern scharf mag, sollte unbedingt eine oder mehrere
Chili-Sorten ausprobieren! Ich besitze seit Jahren ein kleines Bäumchen
"Peruvian Purple", das im Sommer draußen und im Winter drinnen
steht und ganzjährig scharfe schwarze bis rote Schoten trägt. Eine
einzige genügt, um ein Essen zu würzen! Aber auch für Leckermäulchen
hält die Natur ein Kräutlein bereit: Stevia, das Süßblatt. Um
diese Pflanze, die seit einigen Jahren in Spanien versuchsweise angebaut
wird, um sie für ihre Verwendung in der Nahrungsmittelindustrie zu
testen, wird heftig gestritten. Steviablätter sind das traditionelle,
praktisch kalorienfreie Süßungsmittel für Matetee, das Nationalgetränk
Paraguays, und es ist schon bizarr, daß diese Pflanze in der EU nicht als
Lebensmittel ausgelobt werden darf. Laut "Novel-Food-Verordnung"
aus Brüssel ist sie zum Verspeisen nicht zugelassen. Und was nicht sein
darf, kann eben nicht sein. Also: Freuen Sie sich an der hübschen
Zierpflanze, und wenn zufällig ein Blättchen in Ihren Tee fällt ... Nun
ja.
Sehr lohnend für den Anbau an einem sonnigen Plätzchen
im eigenen Garten oder als hübsches Arrangement in einem Kräutertopf auf
der Terrasse sind die "Mittelmeerkräuter": Thymian, Salbei,
Lavendel und - der schon erwähnte - Rosmarin. Diese Kräuter bekommt man
im Supermarkt nur getrocknet, und selbst das Aroma der Herbes de Provence reicht
nicht im entferntesten an den Duft heran, der Sie umgibt, wenn Sie einen
Zweig dieser Kräuter schneiden. Eine ganz besondere Erinnerung verbindet
sich für mich mit dem Duft des "Currykrauts": an einen
unbeschwerten Sommerurlaub vor vielen Jahren in Südfrankreich.
Der Duft - und damit das Aroma - ist für mich einer der
Hauptgründe, mich mit Kräutern zu beschäftigen, und ich bin immer
wieder erstaunt, was es alles Neues zu entdecken gibt. Und wie einfach man
die herrlichsten Sachen herstellen kann! So gibt es für Teefreunde im
Garten viele lohnende Gewächse, zwei möchte ich hervorheben: die
Pfefferminze und die Zitronenverbene.
Es gibt kaum eine Pflanzenart, bei der die Verwirrung bei
den botanischen Namen so groß ist wie bei den Minzen. Die Englische
Pfefferminze, Mentha x piperita "Mitcham", ist die
bekannteste aller Pfefferminzen, aber auch andere Sorten (z. B. die in der
ehemaligen DDR gezüchtete Multimenthaminze) haben intensives
Pfefferminzaroma. Man braucht die Blätter nicht zu trocknen, um den
beliebten Pfefferminztee herzustellen, sondern kann sie frisch schneiden.
Ein köstliches Getränk für heiße Sommertage erhalten Sie, wenn Sie
eine Handvoll Blätter und zwei bis drei Zitronenscheiben in einen
Glaskrug mit kaltem Wasser geben und dies einige Stunden stehen lassen.
Die "echten" Minzen vermehren sich unterirdisch durch
Ausläufer, und wenn sie erst einmal in Ihrem Garten "Fuß"
gefaßt haben, wuchern sie recht schnell. Deshalb sollten Sie den Platz
für Ihre Minzen mit Bedacht wählen.
Einen unvergleichlich "zitronig" schmeckenden
Tee erhalten Sie, wenn Sie einige Blätter der Zitronenverbene aufbrühen.
Mein Exemplar überwintert seit Jahren als Kübelpflanze im ungeheizten
Wintergarten, und jedes Frühjahr, wenn ich sie aus dem Winterschlaf hole,
mag ich kaum glauben, daß aus diesem sparrigen Etwas jemals wieder etwas
Grünes sprießt. Aber spätestens im März fängt die Verbene an zu
treiben, und schon Ende April, Anfang Mai, kann man die ersten Blättchen
ernten. Jedesmal, wenn ich die mittlerweile zu einem kleinen Bäumchen
herangewachsene Pflanze berühre, umgibt mich ein unwiderstehlicher
Zitronenduft. Man muß es einfach erlebt haben!
Für Teetrinker ist
es übrigens auch lohnend, einige Duftgeranien (richtig: -Pelargonien) zu
kultivieren. Sie kommen ursprünglich aus den Küstenregionen Südafrikas
und waren im 18. und 19. Jahrhundert sehr beliebt. Die bekannteren
Balkongeranien wurden erst später populär. Das "Parfüm" der
Duftgeranien entfaltet sich beim Reiben der Blätter. Sie wachsen an der
Fensterbank und im Sommer auch draußen, und ihre Blätter und Blüten
duften nach Orange, Pfefferminze, Rosen, Apfel oder Fruchtbonbon.
Ein allseits bekanntes Kraut ist Basilikum, aber die
meisten kennen nur die breitblättrige Sorte Genoveser. Wer mal was
Neues probieren möchte, kann unter Dutzenden von Sorten wählen:
Buschbasilikum, Zitronenbasilikum, Mexikanisches Gewürzbasilikum,
rotblättriges Basilikum. Es gibt sogar mehrjährige Sorten, aber ich
gestehe, daß meine Überwinterungsversuche bislang keine befriedigenden
Ergebnisse erbracht haben. Unverwüstlich und garantiert mehrjährig ist
dagegen die Türkische Rauke, eine Staude, deren Blätter einen scharfen
Rettichgeschmack haben und die sich gern überall im Garten ausbreitet.
Meine vor Jahren einsam am Teich stehende Pflanze hat derart für
Nachwuchs gesorgt, daß ich davon "Rettichpesto" machen
kann.
Hier das Rezept:
Eine
bis zwei Handvoll Blätter zerkleinern, mindestens 1 Zehe Knoblauch
zerdrücken und untermischen, mit
Salz und Pfeffer würzen, nach Belieben geriebenen Parmesan und
Pinienkerne dazugeben und mit Olivenöl zu einer gut geschmeidigen Paste verarbeiten. Am
besten geht´s mit dem Pürierstab.
Und woher bekomme ich all diese Wunderpflanzen?
werden Sie jetzt vielleicht fragen. Die gebräuchlichen
Kräuter (Mittelmeerkräuter, Petersilie pp.) gibt es - teils sogar in
unterschiedlichen Sorten - in gut sortierten Gartencentern und in
Gärtnereien. Die hier vorgestellten "Exoten" habe ich fast alle
bei "Rühlemanns" gekauft, eine Versandgärtnerei, die sich auf
Kräuter spezialisiert hat. Nirgends sonst habe ich bislang ein derartig
breit gefächertes Angebot gefunden, das noch dazu so ansprechend und
fundiert aufbereitet ist. Der Katalog bietet mehr und bessere
Informationen als so manches Gartenbuch! Interessante alte Sorten (meist
als Samen) bietet auch die Versandgärtnerei Pötschke an.
Nachfolgend
habe ich einige Adressen und Links zusammengestellt.
Buchtips zum Thema Kräuter-(küche)
finden Sie in
meiner "Bücherkiste".
Rühlemann´s
Kräuter
und Duftpflanzen
Auf
dem Berg 2
27367
Horstedt
www.ruehlemanns.de
Gärtner
Pötschke
Fachversand
für Gartenfreunde
Beuthener
Str. 4
41561
Kaarst
www.gaertner-poetschke.de
Dreschflegel
GbR
Biologisches
Saatgut
für
Hausgarten und Selbstversorgung
Gemüse
und Kräuter, Alte Kulturpflanzen, Blumen
In
der Aue 31
37213
Witzenhausen
www.dreschflegel-saatgut.de
grünerTiger
Pfarräckerstr.
13
90522
Oberasbach
www.gruenertiger.de
Viel
Spaß beim Stöbern und
Gärtnern!