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Die Farbe von Kristall/Rezension

(Journal Frankfurt, Oktober 2002)

 

Eigentlich ermitteln Kommissar Biddling und sein vor der Pension stehender Kollege Heiner Braun im Frankfurt des Jahres 1904 in einem verdächtigen Arbeitsunfall, als der Klavierhändler Hermann Lichtenstein ermordet aufgefunden wird. Lichtenstein war auch Geldverleiher, und der brutale Raubmord scheint nur vorgetäuscht. So der Beginn einer mit vielen Höhepunkten gespickten Handlung. Der Fall Lichtenstein ist authentisch, ebenso wie die meisten Auftretenden: der dubiose Hundehändler Karl Hopf, die gewalttätigen Möbelpacker Groß und Stafforst, Prof. Paul Ehrlich oder Dr. Alois Alzheimer (genau der!). Des weiteren: korrupte Kollegen und betrunkene Vorgesetzte, adelige Damen mit Hang zu Sado-Maso-Spielchen und arme Leute; sie alle bilden nur einen Teil der liebevoll skizzierten Belegschaft, die sich in Frankfurts Bordellen und Fabriken, in der Altstadt und im Westend der Stadt tummelt. Ein verzwickter Fall, der seine Kreise immer weiter - bis in die höchsten Etagen der Main-Metropole zieht. Gelungen ist die Schilderung der neuen Kriminalassistentin Laura Rothe ("Eine Frau im Polizeidienst - unerhört!"), die unter der offenen Frauenverachtung der wilhelminischen Epoche leidet. Etwas ärgerlich ist zwar, dass wohl vorausgesetzt wird, man habe Hahns Debüt "Die Detektivin" gelesen; auch verwirren manchmal die vielen Handlungsstränge. Trotzdem: jede Menge Lokalkolorit, glaubwürdige Dialoge und eine bestechend klare Sprache - ein glänzend recherchierter, mitreißender Kriminalroman. 

kgb

 

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