|
Quelle: IGdA-aktuell Nr.: 2/3-2000, Auszug
Dirk R. Meynecke, Jahrgang 1945, war vierzehn Jahre lang Lektor in einem großen Publikumsverlag, bevor er sich mit seiner „Buchplanung“ selbständig machte. (...)
aktuell: In den USA sind literarische Agenturen aus der Buch- und Verlagsbranche gar nicht mehr wegzudenken. Wie ist die Lage in Deutschland?
D. Meynecke: Auch in Deutschland werden immer mehr Buchprojekte über Literatur-Agenturen an die Verlage herangetragen. Dies betrifft insbesondere den Bereich der Publikumsverlage, also: Sachbücher, Ratgeber, Unterhaltungsromane. Der Grund ist simpel: Die Verlage müssen aufgrund des Kostendrucks immer mehr Personal einsparen und sind froh, daß Agenturen ihnen einen Teil der Arbeit abnehmen - insbesondere Vorauswahl und Autorenbetreuung.
aktuell: Was gehört zu den Hauptaufgaben einer Literatur-Agentur?
D. Meynecke: Immer mehr Bücher sind geplant und entstehen nicht im stillen Kämmerlein der Autoren. Deshalb habe ich meinen Schwerpunkt auf die Buchplanung gelegt. Das steht am Anfang: Die Gegebenheiten des Marktes mit den Fähigkeiten der Autoren in Einklang bringen zu können. Sich selbst richtig einzuschätzen ist schwierig, ein Außenstehender kann dies zumeist besser. Die Betreuung von Autoren umfaßt unter anderem: Den richtigen Buchplan gemeinsam ausarbeiten, Kontakt mit den Lektoren und Verlagsleitern halten, das Projekt anbringen, den Vertrag aushandeln, Autoren bei ihrem weiteren Werdegang kreativ unterstützen.
aktuell: Wie darf man sich die Zusammenarbeit zwischen einer Literatur-Agentur und einem Autor nun konkret vorstellen?
D. Meynecke: Ich nenne mich ja Buchplanung, weil für mich mein kreativer Anteil Dreh- und Angelpunkt der Zusammenarbeit ist. Ist das Buchprojekt gut geplant, folgt der Rest von selbst. Das geht über das persönliche Gespräch, vor allem über das Telefon; Exposé, Titelsuche, Zeitplan aufstellen, Hürden im Verlag wegräumen, Hoffnungen machen (dort, wo sie realistisch sind), um Kräfte auf beiden Seiten - bei den Autoren und beim Verlag - freizusetzen.
aktuell: Wie viele Manuskripte prüfen Sie pro Monat? Wie viele können Sie im Schnitt vermitteln?
D. Meynecke: Komplette Manuskripte kommen immer seltener. Pro Monat prüfe ich ca. 100 Projekte, also mehr als 1000 pro Jahr. Daraus entstehen in der Regel ca. 70 - 75 Bücher. Der Löwenanteil davon kommt allerdings mit Autoren zustande, mit denen ich schon seit vielen Jahren zusammenarbeite.
aktuell: Wie kann ein unbekannter Autor die Chance erhöhen, von einem Verlag angenommen zu werden?
D. Meynecke: Da gibt es tatsächlich einige Möglichkeiten. Auf jeden Fall sollte er sich, bevor er zu schreiben beginnt, im klaren darüber sein, wer sein Buch zu welchem Preis kaufen könnte. Bücher sind ein Handelsgut wie andere Waren auch, so banal dies klingen mag: Sie müssen an den Mann, heute zumeist an die Frau gebracht werden. Genau das versuche ich Newcomern in meinem Ratgeber* deutlich zu machen, denn, und hier liegt eine große Chance für neue Autoren mit guten Ideen: entgegen aller Unkenrufe sind Verlage ständig auf der Suche nach mitreißenden Themen und talentierten Autoren!
aktuell: Gibt es denn bestimmte Fehler, die „Newcomer“ besonders häufig machen?
D. Meynecke: Den Hauptfehler habe ich schon genannt: Viele neue Autoren machen sich keine Gedanken darüber, wer ihr Buch lesen soll. Aber genau diese Frage muß jeder Verlag an den Anfang stellen. Denn er muß ja wissen, wem er es verkaufen soll. Dann ist Spannung das wesentliche Element. Daß dies für einen Unterhaltungsroman gilt, leuchtet jedem ein, doch daß es auch gilt, den Stoff eines Sachbuchs oder Ratgebers entsprechend aufzuarbeiten, vergessen viele. Und ein ganz wichtiges Kriterium ist der Umfang: Zu wenige Seiten haben keine Chance und zu umfangreiche Manuskripte ebenfalls nicht, weil nicht kalkulierbar; sie würden zu teuer werden.
aktuell: Wie überall, tummeln sich auch auf dem Feld der Literatur-Agenturen schwarze Schafe. Wie kann ein Autor erkennen, ob eine Agentur seriös ist?
D. Meynecke: Es ist nicht der Beteiligungssatz, den eine Agentur nimmt, sondern es ist ihr Engagement und ihr Geschick plus Erfahrung, was letztlich den Erfolg ausmacht. Nun kann ein Autor das vorher schlecht einschätzen. Ich wäre bei den Agenturen vorsichtig, die zuvor Geld nehmen, ohne eine Leistung dafür erbracht zu haben. Man könnte sagen: Wer schon hat, der braucht nicht mehr. Wer hingegen auch bei neuen Autoren mit vollem Risiko arbeitet - sprich, auf reiner Erfolgsbasis - der wird sich anstrengen müssen, um zum Erfolg zu kommen. Und dies wird dann auch der Erfolg des Autors sein.
aktuell: Herr Meynecke, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte: Nikola Hahn © Nikola Hahn. Nachdruck nur mit Genehmigung
zurück zur Schreibwerkstatt weiter
|
|
|
|