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Wie schreibe ich ein Exposé?

 

 

Wozu man ein Exposé braucht, und wie man es schreibt


Ich habe meinen ersten Roman vor rund sechs Jahren über Exposé und Probekapitel verkauft, d.h. bevor er überhaupt fertig war. Das ist allerdings, wie ich inzwischen weiß, die große Ausnahme bei unbekannten Autoren und hat bei mir auch nur (nach dem üblichen endlosen Absagereigen) mit einer Agentur hingehauen.
Meine Erfahrung ist, dass Verlage es im allgemeinen vorziehen, erst mal nur eine "Probelieferung" eines Projektes zu bekommen, also Exposé und Probekapitel (bei Belletristik unerlässlich, um den Schreibstil beurteilen zu können!). Wenn Interesse an dem Projekt besteht, wird das gesamte Ms. angefordert. Das bedeutet, dass ich als Autor in die Ausarbeitung des Exposés und des Probekapitels besondere Sorgfalt stecken muss, denn sie sind meine "Visitenkarte". 

 

Die Einsendung von Probekapitel und Exposé bietet einige Vorteile gegenüber der Einsendung eines kompletten Manuskriptes:

1. Es ist der professionellere Weg, auf sich und sein(e) Projekt(e) aufmerksam zu machen als die unaufgeforderte Versendung von (Manuskript-)Papierstapeln.

2. Eine Option macht neugierig - und eine Idee, spannend vorgetragen, regt die Phantasie mehr an als ein mehrere hundert Seiten umfassendes Manuskript, das ohnehin (gerade bei Erstautoren) noch bearbeitet werden muss. Ist der Lektor nach Lektüre des "Probefutters" neugierig geworden und fordert das gesamte Manuskript an, liest er mit ganz anderem Interesse! (Und Ihre Arbeit ist kein UNVERLANGT eingesandtes Manuskript mehr!)

3. Man ist als Autor gezwungen, sich über seine Arbeit und seine Leser klar zu werden. Die Leseransprache ist daher auch ein (zwar kurz abgehandelter, aber nichtsdestotrotz) wichtiger Teil eines Exposés, wenn man in Publikumsverlagen veröffentlichen will.

Ich gebe nachfolgend ein paar Auszüge (der gesamte Text würde hier den Rahmen sprengen) aus dem Buch von Dirk M. Meynecke "Die Autorenfibel" (erschienen 1991 bei Ehrenwirth, als Tb unter dem etwas reißerischen Titel "Von der Buchidee zum Bestseller" neu aufgelegt bei Econ, München. 

Ihr Exposé (S. 48 ff.)

(...) Der Lektor, der Verlagsleiter, der Marketingchef - wer immer Ihr Exposé im Verlag liest - schaut sozusagen als Buchkäufer in Ihr Exposé. Er versetzt sich automatisch in die Rolle des Kunden, des potentiellen Lesers. (...) Sie schreiben über Ihr Buchprojekt einen Werbetext.

Zwei Welten: Exposé und Manuskript
(...) Wer sein Licht unter den Scheffel stellt, der wird nicht gesehen, und der Nobody, der sich schon als den zukünftigen Erfolgsautor anpreist, wird auch danebenliegen. Dem schon erfolgreichen Autor wird man sein vielleicht miserables Exposé möglicherweise nachsehen, Ihnen jedoch nicht. Sie werden deshalb die nachfolgenden Techniken bedenken müssen:

1. Sie geben den Inhalt in bezug auf die Zielgruppe wieder;
2. Sie binden Ihre Person an die Thematik;
3. Sie schreiben über sich in der dritten Person;
4. In der Kürze liegt die Würze.

(1)
Ein Exposé ist eine Inhaltszusammenfassung. Für denjenigen, für den das Exposé bestimmt ist, der sich also einen schnellen Überblick zu einem Projekt (...) verschaffen will, ist es mehr. Es ist immer Inhalt plus Zielgruppenansprache. (...) Sie können (...) das machen, indem sie zuerst den Inhalt zusammenfassen und dann anschließend die Frage stellen und beantworten: "Wer interessiert sich für dieses Buch?" Ineinander verwoben wirkt es jedoch überzeugender, spiegelt eine Einheit von Thema und Leser wider.

(2)
(...) Vielleicht gibt Ihr beruflicher Hintergrund schon Anhaltspunkt dafür, dass Sie der berufene Autor für das von Ihnen geplante Projekt sind. (...) Falls die Handlung Ihres Krimis den Leser bis nach Australien führt und Sie sind schon einmal dort gewesen, dann erwähnen Sie dies. (...)

(3)
Wer sich in seinem Exposé als Buchautor darstellt und sich somit schon fast direkt an den späteren Leser wendet, greift zu einem psychologischen Trick: er wird als Buchautor, nicht als Manuskriptverfasser (...) betrachtet. (...) Falls Sie nicht in der dritten Person schreiben möchten, gehen Sie zumindest sparsam mit dem Wörtchen "ich" um. Lassen Sie lieber die Fakten wirken. (...)

(4)
Wie lang sollte ein Exposé sein? (...) Etwa zwei Seiten bei einem Abstand von eineinhalb Zeilen. Zwei Seiten ist in etwa die Mitte; drei Seiten sollten nicht überschritten und eine Seite nicht unterschritten werden.

Ganz komplett wird Ihr Exposé, wenn Sie noch Angaben zum Umfang (des fertige Manuskriptes) machen.

© D. Meynecke /N. Hahn

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