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Der Degenkünstler als Giftmischer

Die Autorin Nikola Hahn schreibt historische Frankfurter Kriminalromane

(Frankfurter Rundschau, 11.10.02, - Auszug -)

 

Frankfurt als literarischer Ort: Als Gegenstand oder Hintergrund für Romane und Novellen, als Liebes- oder Hass-Objekt von Autoren ist die Großstadt am Main gefragter denn je. Zur Buchmesse, die bis zum 14. Oktober wieder Bücherfreunde, Schriftsteller, Verleger in Frankfurt versammelt, sprach die FR mit Autoren, die hier leben und arbeiten, über ihre Stadt. Heute: Nikola Hahn, die Frankfurt in den Hintergrund ihrer Krimis stellt. (...)

Frankfurt am 26. Februar 1904: Auf der Zeil, im Schatten der Katharinenkirche, ereignet sich ein brutaler Mord. Am helllichten Tage. Opfer ist der Pianohändler Hermann Lichtenstein. Er wurde erschlagen und beraubt. Kommissar Richard Biddling ermittelt und stößt bald schon auf erste Spuren: man findet einen blutigen Fingerabdruck am Kragen des Opfers und die Spur eines Damenschuhes. Alles deutet darauf hin, dass eine Frau in das Verbrechen verwickelt sein könnte. (...) 

Nikola Hahn lebt weder in Frankfurt, noch arbeitet sie in der Stadt am Main. Das verwunschene, bewachsene Häuschen, in dem die Kommissarin mit ihrem Mann lebt, steht in Rödermark, und Offenbach ist die Stadt, in die sie täglich fährt, um mit ihren Kollegen Räubern und Erpressern auf die Spur zu kommen. Dass sie Frankfurt zum Schauplatz ihrer Romane macht, hat einen einfachen Grund: "Die Stadt hat eine tolle, bewegte Geschichte." 

Dabei sollen ihre historischen Romane "mehr als Kriminalromane" sein, sollen ein atmosphärisch dichtes Bild damaligen Alltagslebens vermitteln. Nikola Hahn nimmt ihre Leser mit auf ihre detektivische Suche quer durch alle sozialen Schichten. Es wird geflucht in schönstem Hessisch, dann wieder parlieren betuchte Kreise in vornehmem Hochdeutsch. Bei ihrer Figurenzeichnung helfen Erfahrungen, die sie bei der Kripo sammelt: "Ich war bei zig Durchsuchungen in Villen und Hütten mit dabei, habe die Menschen in Extremsituationen erlebt."

Die Recherchen zum rund 800 Seiten starken Roman waren aufwändig. Auf rund 200 Bücher zur Geschichte Frankfurts und zur Geschichte der Kriminalistik schätzt Nikola Hahn mittlerweile ihren privaten Fundus. Hinzu kommen alte Fotografien, die die 38-Jährige aufgestöbert hat. Im Anhang des Buches sind einige von ihnen versammelt. (...) Weitere Archivfotos zeigen das Mordhaus mit dem großen Lichtensteinschen Reklameschild und das alte Polizeipräsidium Neue Zeil 60. Zudem hat Nikola Hahn interessante Bilddokumente zu Figuren, die im Roman auftauchen und real existierten, im Anhang beigefügt. (...) Drei Seiten weiter schwingt der schnurrbärtige Degenkünstler "Athos" Karl Hopf, der im Roman als Verdächtiger eine Rolle spielt, seinen Dolch. (...)

Allen Romankapiteln voraus geht der Originalwortlaut einer "Frankfurter Zeitung und Handelsblatt"-Meldung. Die Meldungen geben Einblick in das Frankfurter Tagesgeschehen, in politische und kulturelle Ereignisse. Ergänzt hat Nikola Hahn sie um Werbeanzeigen der Zeit. Bei ihren Recherchen ist Nikola Hahn auch auf Dokumente gestoßen, die auf die düsteren Seiten einer Großstadt der damaligen Zeit verweisen. Auf jene Anzeigen etwa, in denen Eltern ihre Kinder mehr oder minder verschlüsselt zum Kauf anbieten oder kinderlose Eltern ein Kind suchen, als ob es um einen neuen Küchenschrank ginge. "Zeitungen spiegeln sehr genau die Stimmung einer Zeit wider", ist Hahn überzeugt. (...)

Annette Wollenhaupt

 

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