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BoD - ein Erfahrungsbericht

           von Ulrike Nolte ( www.ulrike-nolte.de )

 

In früheren, BoD-losen Zeiten wäre es ziemlich teuer geworden, meine Doktorarbeit als Buch zu veröffentlichen. Welches Lektorat interessiert sich schon für ein Exotenthema wie "Moderne Klassiker der schwedischen Literatur und ihre Sciencefiction"? Ich hätte einen wissenschaftlichen Zuschussverlag für den Druck bezahlen müssen, und jeder Student weiß, welche Preise dort verlangt werden. Aber seit kurzer Zeit gibt es glücklicherweise eine Alternative: Beim Books-on-Demand-Verfahren existieren die Bücher nur virtuell, bis eine Bestellung eingeht, und dann wird genau die geforderte Anzahl gedruckt. Es gibt also keinen Überschuss, der später verramscht werden muss. Für den Verlag entfällt ein Großteil des Risikos, und für den Autor wird es wesentlich billiger. Aber natürlich gibt es auch in diesem Marktbereich schwarze Schafe. Die Zahl der BoD-Verlage wächst rasant, es scheint eine Art Goldgräberstimmung zu herrschen. Man kann nur jedem raten, sich vorher genau über die verschiedenen Angebote zu informieren, um nicht bei Profitmachern oder einer unerfahrenen Chaotentruppe zu landen. Ich selbst habe mir als Erstes die Websites der Verlage genau angesehen (eine Liste von Internet-Adressen findet Ihr unten). Dabei sind mir im Laufe der Recherche drei besonders wichtige Unterscheidungsmerkmale aufgefallen.

 

          Kriterium 1: Erfahrung und Engagement

 

Als Erstes sollte man auf der Homepage des Verlags nachschauen, wie viele Bücher im Gesamtverzeichnis stehen. Am sichersten erscheint eine Spanne von ca. 20 bis 80. Bei zu wenig Veröffentlichungen ist man als Kunde noch Versuchskaninchen, bei zu vielen lässt oft der Service zu wünschen übrig. Von einem der größten Verlage habe ich zumindest gehört, dass er inzwischen sehr anonym geworden sei und nur schleppend auf die Wünsche der Autoren reagiere. Dagegen sind neue, kleine Unternehmen noch besonders um ihre Kunden bemüht. Als ein Test für den Grad des Engagements hat sich bei mir bewährt, eine E-Mail mit Bitte um nähere Informationen an den Verlag zu schicken und dann zu sehen, wie schnell und ausführlich die Antwort erfolgt. Man kann häufig schon an der Website selbst erkennen, wie viel Arbeit und Sorgfalt das Unternehmen in seine Produkte steckt: Gibt es zum Beispiel eine kurze Inhaltsangabe der veröffentlichten Bücher oder Informationen über die Autoren? Das mag für den Verkaufserfolg nicht sehr wichtig sein, aber es zeigt doch das Interesse der Verleger. Besonders aussagekräftig ist, ob die Bücher bei Internet-Buchshops wie Amazon zu finden sind. (Am besten klickt man bei Amazon in der Rubrik "Bücher" auf "Erweiterte Suche" und gibt den Verlagsnamen ein, dann werden alle erhältlichen Titel aufgelistet. Das ist übrigens generell eine gute Methode, um die Größe und das inhaltliche Profil von Verlagen herauszufinden, zum Beispiel für Bewerbungen.) Da BoD-Produkte hauptsächlich auf diesem Weg an den Käufer gelangen, kann man Verlage, die kein Suchergebnis bringen, gleich von der Liste streichen.

 

          Kriterium 2: "Nebenkosten"

 

Auf den ersten Blick wirken alle BoD-Verlage verblüffend preiswert, und bei den meisten Websites flasht einem sofort ein Supersonderangebot entgegen. Das bedeutet aber überhaupt nichts, denn wie ich feststellen konnte, wachsen die Kosten oft ganz gewaltig durch diverse "Zusatzleistungen". Bei einem BoD-Auftrag muss man als Autor gewöhnlich einen Großteil der Verlagsarbeit selber machen, zum Beispiel Bilder scannen und einfügen, die Word-Datei in Postscript bzw. PDF umwandeln, ein Buchcover entwerfen ... Wenn man dazu keine Lust oder nicht die nötige technische Ausrüstung hat, kann der Preis schnell hochschießen. Manchmal werden sogar ganz selbstverständliche Leistungen wie die Vergabe einer ISBN-Nummer oder die Garantie, dass das Buch länger als ein Jahr gespeichert und im Buchhandel erhältlich ist, zusätzlich berechnet. Wenn der Verlag seriös ist, dann sollte also auf der Website oder zumindest im Kostenvoranschlag genau definiert sein, welche Dienste im Grundpreis enthalten sind, welche Extras es gibt und wie viel sie kosten.

 

          Kriterium 3: Verkaufspreis

 

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal von BoD-Verlagen sind die Preise, für die ihre Bücher im Handel erhältlich sind. Oft werden übertrieben hohe Summen verlangt, so dass sich bestimmt keine Käufer finden. Gleichzeitig steht aber im Vertrag, dass der Autor selbst zehn bis fünfzehn Pflichtexemplare abnehmen muss. Durch diesen Zwangskauf finanziert sich dann der Verlag. Allerdings muss man hierbei zwischen wissenschaftlichen und belletristischen Werken unterscheiden. Da zum Beispiel eine Doktorarbeit meist nur von Universitätsbibliotheken gekauft wird, denen der Preis relativ gleichgültig ist, sind 30 Euro pro Exemplar nicht unüblich. Die Tantiemen werden dann zwischen Verlag und Autor aufgeteilt. Überteuerte Ladenpreise sind also gewöhnlich nur dann ein Zeichen für unseriöse Verkaufsstrategien, wenn es sich um literarische Werke handelt.

 

          Erfahrungen mit Monsenstein & Vannerdat

 

Nach meiner Recherche entschied ich mich schließlich für den MV-Verlag. Dabei spielten auch persönliche Gründe eine Rolle, vor allem befand sich das Unternehmen in meiner Studienstadt Münster, und ich brauchte nicht alle Unterlagen per Post hin und her zu schicken. Aber am wichtigsten war doch, dass die oben genannten Kriterien erfüllt waren: Der Verlag hat bisher ca. 65 Bücher herausgebracht, die preiswert sind und äußerlich ansprechend wirken. Die zwei Inhaber haben sich erst kürzlich selbständig gemacht, sie gehen auf jeden Extrawunsch ein und beantworten E-Mails oft noch am selben Tag. Vor allem ist mir aber ihre Website positiv aufgefallen, die eine überwältigende Fülle an Informationen bietet. insbesondere im "Handbuch für Autoren".

 

Dieser Text ist so informativ, dass ich nur jedem BoD-Kunden empfehlen kann, ihn sich herunterzuladen. Er beschreibt genauestens, welche Vorarbeiten man leisten kann, damit die Herstellung des Buches möglichst preiswert wird, welche Papiersorten, Schriftarten, Umschläge usw. es gibt. Das Handbuch warnt auch vor häufigen Fehlern in der Manuskriptgestaltung, die einen Druck schwierig machen. Zum Beispiel habe ich Bilder für meine Doktorarbeit mit möglichst hoher Auflösung gescannt und sie hinterher als JPEG-Datei auf eine handliche Datenmenge verkleinert. Das war genau falsch. Lieber gleich eine niedrige Auflösung wählen, die noch gut auf eine Diskette passt! Bevor es zu technisch wird, beschreibe ich aber lieber, wie die Zusammenarbeit mit Monsenstein & Vannerdat konkret ablief. Als Erstes besprachen wir genau, welche Vorarbeiten ich selbst erledigen wollte, und sie schickten mir daraufhin einen Kostenvoranschlag. Die beiden waren fast übertrieben besorgt, dass ich als arme Studentin zu viel bezahlen könnte, und überzeugten mich daher, eine Reihe von Aufgaben zu übernehmen, die ich vorher eigentlich dem Verlag überlassen wollte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich damit nicht völlig zufrieden bin. Gerade die Bildbearbeitung sollte doch lieber von Profis ausgeführt werden. Als Nächstes kam die Umwandlung meines Textes in eine Postcript / PDF-Datei. Dieser Arbeitsschritt lässt sich kaum umgehen - außer man will wirklich viel Geld ausgeben -, aber man opfert Zeit und Nerven. Eigentlich sollte mit ein paar simplen Befehlen und einer Korrektur der Seitenumbrüche alles erledigt sein; Windows gelingt es jedoch immer wieder, neue überraschende Probleme zu erzeugen. (Wenn ich jemals Bill Gates treffe, beiße ich ihn!!) Der wichtigste Tipp: Man muss den Text als Ganzes bearbeiten und abspeichern. Wenn man ihn in Kapitel zerlegt hat und erst am Ende zusammenfügt, verändern sich wieder sämtliche Seitenumbrüche und Bilderpositionen. Andererseits bin ich gewarnt worden, dass ältere Word-Programme bei einem Text über 400 Seiten zusammenbrechen und den gesamten Text löschen können. Tja, viel Spaß! Als Buchcover wollte ich am Anfang ein bekanntes Gemälde nehmen, erfuhr aber, dass ich damit Eigentumsrechte verletzten könnte. Also bastelte ich stattdessen mit Collagentechnik das Bild einer futuristischen Embryonenmaschine zusammen. Der Verlag entwarf den übrigen Umschlag nach einem Standardverfahren und scannte das Bild ein. Alles funktionierte schnell und reibungslos. Ich erhielt innerhalb kürzester Zeit die Korrekturfahnen meines Textes, löschte letzte Rechtschreibfehler und hielt schon ein paar Tage später meine bestellten 8 Buchexemplare in der Hand. Die Rechnung fiel noch geringer aus, als ursprünglich besprochen: nur 165 Euro für die Dienstleistungen! Zusätzlich 15,50 Euro (= Verkaufspreis) für die bestellten Bücher. Allerdings sagte mir einer der Inhaber, dass der Service demnächst ein bisschen teurer wird, denn im Moment können sie kaum die eigenen Kosten decken. Aber selbst dann dürfte sich Monsenstein & Vannerdat immer noch preislich lohnen, ganz abgesehen davon, dass sie ungewöhnlich schnell und zuverlässig arbeiten.

 

          Internet-Adressen

 

Bei allem Lob für den MV-Verlag sollte sich doch jeder Autor selbst ein Bild machen. Ich liste daher einige weitere Web-Adressen auf. Wer noch mehr über BoD allgemein wissen will, kann sich unter www.uschtrin.de/bod.html  informieren. 

 

Weitere Infos/Links zum Thema: 

 

www.mv-verlag.de 

www.bod.de 

www.tenea-verlag.de 

www.trigaverlag.de 

www.vdg-weimar.de 

www.dwverlag.de 

www.ubook.de 

                    

© Ulrike Nolte. Der Abdruck erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Der Text erschien erstmals im online-Autorenmagazin "The Tempest". ( www.autorenforum.de )

 

Ulrike Nolte ist Autorin des preisgekrönten SF-Romans "Jägerwelten" und arbeitet  als freie Lektorin und PR-Volontärin in Hamburg. Wer ihre literarischen und graphischen Werke kennenlernen oder etwas über skandinavische SF wissen möchte: www.ulrike-nolte.de 

 

Ein ausführlicher Erfahrungsbericht zum Thema "BoD" findet sich auch unter:


 
http://www.formbuch.de/downloads.html oder per Direktlink

 

Ein Dank für den Tipp an den Verfasser:

Tilo Gockel (Dr.-Ing.)
Universität Karlsruhe (TH)
ITEC - Institut für Technische Informatik
Lehrstuhl Prof. Dr.-Ing. R. Dillmann
Haid-und-Neu-Straße 7, c/o Techfabrik
D-76131 Karlsruhe

URLs:
http://wwwiaim.ira.uka.de
http://www.praxisbuch.net


 

 

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