|
Er nahm Lauras Koffer und marschierte so flott los, daß sie Mühe hatte, zu folgen. Sie gingen über den Rathausplatz in eine schmale Straße, von der eine noch schmalere Straße abzweigte, in der die Häuser so eng beieinanderstanden, daß Laura das Gefühl hatte, die Giebel müßten sich irgendwo über ihr berühren.
"Wo wolle Sie denn genau hin?" fragte ihr Begleiter.
(...) Laura nannte ihm die Hausnummer, und er blieb vor einem Fachwerkhäuschen stehen, das aussah, als wolle es jeden Moment vornüber in die Gasse fallen. Zwei abgetretene Steinstufen führten zur Haustür. Eine schmiedeeiserne Lampe an der bröckelnden Fassade spendete spärliches Licht.
"Hätte Sie mal gleich gesacht, daß Se zum Häusi von der Müllerin wolle."
"Müllerin?" fragte Laura bestürzt. "Man sagte mir, daß hier ein Herr Braun wohnt! Und daß seine Frau Zimmer vermietet."
Der Mann stellte den Koffer ab. "Die Müllerin is halt die Müllerin. Auch wenn se die Frau Braun is." (Die Farbe von Kristall, S. 76)
"Danke. Sie können gehen." Es war nicht seine Stimme, die Richard sprechen hörte; es war die Stimme eines Fremden, der neben ihm stand. "Worauf warten Sie noch? Gehen Sie."
"Ja, Herr Kommissar." Erleichtert lief der junge Polizist zur Tür. (...)
Richard sah den Fremden planlos einige Papiere auf seinem Schreibtisch zurechtrücken; er sah, wie er durchs Zimmer ging, die Tür abschloß und den Clesernhof verließ. Er sah ihn im Licht vereinzelt vom Himmel zuckender Blitze über den Römerberg ins Rapunzelgäßchen laufen und mit dem ersten, fernen Donnergrollen im Haus der Müllerin verschwinden. (...) Fort! dröhnte es in seinem Kopf. Egal, wie, egal wohin.
(Die Detektivin, S. 389/390)
|
|
|
|