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Naturschutz - der schmeckt ...

Alte Tomatensorten anbauen und vermehren

 

 

Auriga - orangefarbene 

Tomate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Black Plum - braunviolett-

farbene Eiertomate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Green Zebra - eine

grüngestreifte

Tomate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gelbe Wildtomate,

die auch wunderbar in

Blumenrabatten wächst 

und für die ich als 

Erhalterin eingetragen

bin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sommerernte 2003

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bunte Tomaten mit 

frischem Basilikum und

Mozzarella

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doppelt ernten:

Tomaten oben,

Pflücksalat unten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tomatenbeete mit 

Tagetes- und

Salatunterpflanzung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Übersicht über 

verschiedene Sorten:

im Uhrzeigersinn von 

oben:

 

Yellow Currant (runde, 

gelbe Tomate), gelbe

Birnentomate,

Black Plum (violettfar-

bene Eiertomate), 

Resi (kleine rote

Tomate), 

gelbe Wildtomate,

De Bereo gelb, 

Green Zebra (grünge-

streifte Tomate), in

der Mitte; violette 

Tomate, rund und  Auriga (orange)

 

 

 

 

Ich kann mich noch gut erinnern, wann und wo ich zum ersten Mal selbst Tomaten angebaut habe (vorher habe ich immer zu Hause in Mutters Garten genascht!): Es war Mitte der achtziger Jahre auf einem sandigen, verunkrauteten Stückchen Land hinter unserem Mietshaus. Niemand glaubte, dass dort irgendwas wachsen würde. Ich versuchte es trotzdem - und erntete tatsächlich "meine" ersten Tomaten. Es waren damals noch die "normalen" roten, die man auch im Laden kaufen kann. Ich zog sie aus Samen heran, die Babystube war die Fensterbank in unserem Schlafzimmer. Wo andere den obligatorischen Gummibaum stehen hatten, sprossen bei uns Tomatenbüsche.

 

Später kultivierte ich ein etwas größeres, ebenso sandiges Beet im Garten meiner "Schwiegeroma", und das war die Zeit, als ich erstmals alte Tomatensorten ausprobierte. An Samen war ich über eine Adresse in einer Gartenzeitschrift gekommen, und als ich im Sommer violette, orangefarbene, birnenförmige und grüngestreifte Tomaten erntete, war es um mich geschehen. 

 

Schon die "einfachen" roten Tomaten schmecken - am Strauch gereift - viel besser als gekaufte, weil diese vor der vollen Reife geerntet werden müssen, ansonsten wäre alles  Matsch, bis es im Laden ankäme. "Bunte" Sorten bestechen jedoch nicht nur durch ihr Aussehen, sondern auch durch ihre verschiedenen Geschmacksnuancen, die von mild bis stark würzig reichen. Im Laden kaufen kann man sie nicht, denn der kommerzielle Anbau lohnt sich nicht, weil sie weder auf Reifezeit noch auf Transportverträglichkeit "genormt" werden können. Für den Hausgarten spielt das keine Rolle, im Gegenteil: Die Nachteile werden zum Vorteil, denn wer will schon auf einen Schlag alle Tomaten gleichzeitig ernten?

 

Als mein Mann und ich Anfang der Neunziger unser Haus kauften, machte ich mich gleich an die Arbeit, ein Tomatenbeet anzulegen. dass zum Haus auch ein - nicht beheizbarer - Wintergarten gehörte, kam mir besonders zupass, denn das gab mir die Möglichkeit, meine pikierten Tomatenpflänzchen im Frühjahr unter (fast) optimalen Bedingungen kultivieren zu können. In den ersten Jahren baute ich teilweise bis zu zwanzig verschiedene Sorten an, teils nur einen Strauch pro Sorte. Da meine Beete nicht groß sind, kamen sich die Pflanzen gehörig ins Gehege, ich reduzierte dann auf ca. 10 Sorten mit jeweils einem bis drei Sträuchern. 

 

Seit einigen Jahren arbeite ich als "Erhalterin" für das Private Samenarchiv von Gerhard Bohl, ein Projekt für den Erhalt und den Ausbau der Sortenvielfalt von Nutzpflanzen mit dem Schwerpunkt Tomaten. "Erhalterin" bedeutet, dass ich durch den Anbau von alten oder erhaltungswürdigen Sorten helfe, dass diese nicht "verlorengehen". Das ist nicht besonders aufwendig, im Gegenteil: Hatte ich früher von allen meinen Sorten Samen gesammelt, mache ich es jetzt nur noch für die angemeldeten Sorten und tausche die dafür erhaltenen Gutscheine für andere Sorten ein. Der Katalog des "Samenarchivs" umfasst mittlerweile rund 1400 samenfeste Kultur- und Wildtomaten, so dass ich immer wieder Neues ausprobiere. 

 

Der Grund, warum ich all das nicht für mich behalte, sondern im Internet veröffentliche, ist simpel: Ich hoffe, dass ich Sie ein wenig auf den "Geschmack" bringe! Wenn man von Umweltprojekten und sonstigem Engagement bewundernswerter Mitmenschen hört oder liest, ist man ja immer geneigt, in Ehrfurcht zu erstarren, frei nach dem Motto: Toll, was der/die leistet, aber ich habe ja keine Zeit/Gelegenheit/Mittel/Sachkenntnis, um so etwas machen zu können. 

 

Doch wie so oft liegt die Wahrheit in den kleinen Dingen: Schätzen Sie mal, wie groß mein "Tomatengarten" ist, von dem ich erzähle und von dem die hier vorgestellten Fotos stammen? Es handelt sich um ein Beet in U-Form, das ich aus alten Steinen aufgeschichtet habe, und das ca. 10 Quadratmeter misst! Dort wachsen etwa 80% meiner Tomatenpflanzen, der Rest (die sortenrein zu haltenden Wildtomaten) sprießen in der Blumenrabatte an einem sonnigen Plätzchen vorm Haus. Jeder, der einen kleinen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon hat, kann also "bunte" Tomaten kultivieren und damit einen Beitrag zum Erhalt dieser einmaligen Vielfalt unserer Nutzpflanzen leisten. Das private Samenarchiv versendet gegen eine geringe Gebühr Saattütchen mit faszinierenden alten, aber auch neuen Sorten an jedermann. Diese Tomaten zu säen und anzupflanzen ist nicht schwer. Und wer noch einen kleinen Schritt weitergehen möchte, kann selbst Samen sammeln und sich als Erhalter/in eintragen lassen. Ich bin sicher, wer erst einmal von dem "Tomatenvirus" infiziert ist, wird nicht mehr davon genesen ... 

 

Zum Abschluss möchte ich ein paar Fragen beantworten, die immer wieder gestellt werden: 

 

 

Wie groß muss mein Garten sein, wenn ich alte Sorten anbauen will? 

 

Wie ich schon gesagt habe: Platz ist in der kleinsten Ecke, nur etwas Sonne muss sein. Im Prinzip genügt ein Topf auf Ihrer Terrasse. Es gibt Tomatensorten (z. B. Minibel), die wie kleine Büsche aussehen, aber auch Stabtomaten wachsen im Topf. Man muss sie nur - wie im "normalen" Garten auch - hochbinden. Eine Bekannte, die nur einen kleinen Balkon hat, erntete letztes Jahr jede Menge braunviolette Eiertomaten und gelbrotgestreifte, runde Tomaten. Die Wildsorten (z. B. die gelbe Johannisbeertomate) brauchen nicht mal ausgegeizt zu werden, man kann sie einfach wachsen lassen, notfalls (wie bei mir) auch zwischen den Blumen in der Rabatte.

 

Was muss ich beachten, wenn ich alte Sorten anbauen will? 

 

Nicht mehr und nicht weniger, als wenn Sie "normale" Sorten anbauen. Allerdings müssen Sie die "alten" Sorten selbst aus Samen ziehen, da es sie nicht als vorgezogene Pflanzen zu kaufen gibt. Die Anzucht geht denkbar einfach: Im März stecken Sie einige Körner in kleine Töpfe (wunderbar geeignet sind leere 250-Gramm-Quark-Schalen oder Margarinebecher). Ich ziehe pro Schale drei Sorten vor! Und so geht's: Die Schale mit Anzuchterde füllen - normale Erde ist nicht geeignet, weil Dünger enthalten ist - in drei Reihen jeweils einige Korn auslegen, dünn mit Erde bedecken, andrücken, angießen, Plastikfolie drüber und an die Fensterbank stellen.

Sobald die Samen zu keimen beginnen, Folie entfernen und die Erde immer leicht feucht halten, ggfs. einige zu dicht stehende Pflänzchen rausnehmen. Wenn die Pflänzchen die ersten "richtigen" Blätter haben, müssen sie in Einzeltöpfe umgesetzt (="pikiert") werden. Nach dem Umsetzen stellen Sie die Töpfchen an einen etwas kühleren Ort (Schlafzimmer oder wo immer ein Fensterplatz frei ist). Mitte Mai (nach den Eisheiligen) werden die Pflanzen nach draußen gepflanzt. Nicht vergessen, die Sortennamen auf die Aussaatschälchen und die Töpfe zu schreiben, damit Sie wissen, was da wächst ... 

 

 

Wie kann ich Erhalter/in werden? Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

 

Jeder, der weiß, wie man Tomatensamen gewinnt, kann auch Erhalter/in werden. Auch hier ist nicht die Größe des Gartens entscheidend, im Gegenteil! Es muss nur gewährleistet sein, dass die zu vermehrende Sorte "rein" gehalten wird. Und das kann auf einem Balkon sogar eher der Fall sein als in einem großen Garten mit vielen angebauten Sorten. 

 

 

Wie komme ich an Saatgut oder/und wo kann ich mich als Erhalter/in eintragen lassen? 

 

Privates SamenArchiv 

Gerhard Bohl

Waldstraße 40

D-90596 Schwanstetten

 

Sie erhalten dort folgendes Infomaterial:

 

- Das Sortenbuch 2006-2009 - 332 Seiten, 2000 samenfeste Kultur- und Wildtomaten, dazu hunderte seltene und historische Gemüsesorten u. Knollen (innerhalb Deutschlands: gegen Vorab-Einsendung von 5.-- € als Scheck oder in Bar, aus dem Ausland: 7.-- €, ebenfalls inklusive Porto). Bitte keine Briefmarken senden!

 

- Die bebilderte Broschüre " Die Braunfäule an Tomaten und der Anbau widerstandsfähiger Sorten" , 24 Seiten, 55 Fotos, Großformat DIN-A4, gegen Vorab-Einsendung von  5,-- € (inkl. Porto) - Bitte keine Briefmarken senden!

 

Bitte beachten Sie: Das Sortenbuch ist KEIN Pflanzenkatalog im üblichen Sinne, d.h. Sie finden darin keine bunten Fotos, wohl aber detaillierte Beschreibungen zum Aussehen und den Kulturbedingungen der Pflanzen, außerdem jede Menge Infos zum Erhalt alter Sorten, ihrem Nutzwert pp. Außerdem sind Kontaktadressen von Erhaltern genannt, die Saatgut abgeben.

 

 

Wer oder was verbirgt sich hinter dem "Privaten SamenArchiv"? 

 

Das Private SamenArchiv wurde von Gerhard Bohl gegründet und ist heute im Besitz von Susanne Kunstmann. Es fährt seit 2002 zum einen auf einer kommerziellen Schiene (Wiederverkäufer, Gärtnereien) und zum anderen auf einer - durch die erste gesponserte - nicht-kommerziellen Schiene (Hobbygärtner und alle, die tauschen wollen). Es ist ein landwirtschaftlich-gärtnerischer Betrieb der Urproduktion, der sich gleichzeitig um den Erhalt der Sortenvielfalt kümmert. Jeder, der beim Samenarchiv etwas kauft oder tauscht, leistet einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Archivs. Zur Info: 99% der vom Archiv angebotenen Sorten sind  - unter wirtschaftlichen Aspekten gesehen - nicht "rentabel". Jeder, der beim SamenArchiv bestellt - egal ob via Tausch oder als Wiederverkäufer - tut etwas für die Sortenvielfalt. ABER: Das Samenarchiv ist KEIN Versandhandel im üblichen Sinne!

 

Herr Bohl hat mir die Erlaubnis gegeben, das sehr lesenswerte Vorwort zu seinem Sortenbuch zu veröffentlichen, das auch eine kleine Kulturgeschichte unserer Nutzpflanzen erzählt. Bitte klicken Sie hier oder folgen Sie dem Link am Ende der Seite. 

 

Die letzten Zeilen schreibe ich in Rot, weil sie mir sehr am Herzen liegen: Herrn Bohls Hauptaufgabe besteht in der praktischen Arbeit, dem Anbau der verschiedenen Sorten und dem Listen, dem Sortieren und Archivieren des Saatguts. Er kann deshalb KEINE Anfragen zu gärtnerischen Fragen oder sonstige persönlich noch so nett gemeinten Briefe beantworten.

 

 

Übrigens: In meinem Weblog finden Sie noch mehr Nachrichten aus meinem (Tomaten-)Garten. Und wenn Sie nur die Fotos schauen wollen: Hier ist der Link zu meinem Fotoalbum "Tomaten".

 

Bitte beachten Sie: Ich unterstütze als Vermehrerin einiger alter Tomatensorten (privat und völlig uneigennützig!) das Private Samenarchiv, aber mit dem Archiv selbst, der Versendung von Infomaterial oder Saatgut, habe ich nichts zu tun. Ich selbst versende auch kein Saatgut. Ich kann daher weder Anfragen noch Anmerkungen zum Samenarchiv beantworten oder weiterleiten. Ich bitte dafür um Ihr Verständnis.

 

 

Viel Spaß beim Surfen und der Tomaten-Ernte! 

 

 

 

 

 

 

 

 

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