Die Wassermühle - Schreibwerkstatt Statt eines Epilogs:
oder:Was man mit Absagebriefen anstellen kann ...*
Liebe Autorin, lieber Autor, Sehr geehrter Herr Hahn!
Ihr Manuskript ist wohlbehalten bei uns eingetroffen und wird von uns geprüft werden. Ihr Manuskript wurde unter der Nummer 108 registriert. Ein Formbrief. Ja, leider. Ihr Teilmanuskript wurde von unserem Münchner Haus nach Bern weitergeleitet. Mit unserer Entscheidung ist kein Werturteil verbunden. Leider sehen wir in unserem Plan für die nächsten eineinhalb Jahre keinen Platz dafür. Wir danken Ihnen, daß Sie bei Ihrem Projekt an unser Verlagshaus gedacht haben. Das Prüfmaterial geht deshalb mit getrennter Post an Sie zurück. Spätestens bis Ende des Jahres hören Sie wieder von uns. Die Gründe sind vielfältig. Sehen Sie auch, daß Sie unter mehr als achthundert eingesandten Manuskripten besondere Beachtung gefunden haben. Es ist schon lange her, daß ich bei der Lektüre eines Manuskriptes so geschmunzelt habe. Bitte nehmen Sie diese Absage nicht als Entmutigung. Ich darf Ihnen versichern, daß Sie damit schon sehr weit gelangt sind. Wir haben Ihr Manuskript auch anderen Bereichen unseres Hauses vorgestellt. Ich habe es mehreren Kollegen zum Lesen gegeben. Wir bitten Sie um Ihr weiter andauerndes Interesse für unsere Verlagsarbeit. Bei der Vielzahl an Angeboten, die wir täglich erhalten, ist uns dies schon aus Zeitgründen nicht möglich. Ich hoffe, Ihrem Manuskript einmal in gedruckter Form wiederzubegegnen. Darum möchten wir Sie dazu ermuntern, weiter an Ihrem schriftstellerischen Talent zu arbeiten. Das geht, je nach Arbeitsanfall, manchmal langsamer, manchmal sehr schnell. Damit kein erhöhtes Porto für Sie oder für uns anfällt, ist diese Mitteilung noch nicht einmal persönlich unterschrieben. Wir wünschen Ihnen an anderer Stelle mehr Erfolg. Mit bestem Dank, daß Sie sich so vertrauensvoll an unseren Verlag gewandt haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Lektorat Unterhaltung.
________________________________________________________________________ *Zum Beispiel, ihnen im Abspann des geschmähten und schließlich doch noch veröffentlichten Werkes einen Ehrenplatz zu geben! Jeder (Ab)satz stammt aus einem anderen Absagebrief, den ich zur "Wassermühle" bekam. Wenn Sie je ein Manuskript an einen Verlag geschickt haben, wird Ihnen sicher das eine oder andere ziemlich bekannt vorkommen ...
zurück zur Schreibwerkstatt Übersicht
|
|
|
|