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Liebe
Leserinnen, liebe Leser,
ich
bekomme sehr viele Reaktionen auf meine Romane, und manche davon
lösen interessante Entwicklungen aus - so auch die Anfrage einer
Leserin an die Website "Frankfurter
Hauptfriedhof". Harald Fester, der Webmaster der Site,
setzte alles daran, die Frage der Leserin zu beantworten, und die
Suche nach dem verlorenen Grab ist so spannend, daß ich sie Ihnen
nachfolgend in Auszügen präsentieren möchte.
Ich
bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Harald Fester, der mir erlaubte,
seine Rechercheergebnisse vorzustellen. Den vollständigen Text - und
jede Menge Informationen über den Frankfurter Hauptfriedhof finden
Sie unter:
www.frankfurter-hauptfriedhof.de
(Stichwort:
Bemerkenswertes)
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27.05.2004: eMail
von Monika F. an den Webmaster von FRANKFURTER-HAUPTFRIEDHOF.DE
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...Ihre
E-Mail-Adresse habe ich auf der Homepage des Frankfurter Friedhofes
gefunden.
Ich war diese Woche am Montag zum ersten Mal dort und war von der Ruhe
und der Atmosphäre ganz begeistert.
Da ich ein ganz bestimmtes Grab finden wollte, bin ich zur
Friedhofsverwaltung gegangen – die mich dann zur
Friedhofsgenossenschaft schickte – und habe mir einen Wegweiser
gekauft, in dem bekannte Persönlichkeiten, die in Frankfurt beerdigt
wurden aufgelistet sind.
Mein gesuchtes Grab war darin leider nicht vermerkt.
Ich habe von meiner Freundin einen Roman geschenkt bekommen, in dem
ein tatsächlich passierter Mordfall um 1904 als Romanvorlage dient.
Das Grab dieses Mordopfers (Hermann Lichtenstein) wollte ich nun gerne
finden. Ich hatte dann die Hoffnung über die Jahreszahl auf dem
Friedhof auf eigene Faust fündig zu werden, aber das war leider nicht
möglich.
Können Sie mir weiterhelfen? Gibt es eine allgemeine Auflistung der
Gräber?
MfG
aus Rodgau Monika F.
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Der
Roman
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| Das
genannte Buch war mein Roman "Die Farbe von Kristall". |
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Die Suche beginnt ...
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Harald
Fester nahm die Suche auf ... Er schreibt:
"Als wenn das Buch nicht schon spannend
genug war, eines ist noch draufzusetzen:
Wo fand Hermann Richard Lichtenstein seine letzte Ruhe? Nachfragen bei
der Frankfurter Friedhofsverwaltung ergab keinen Hinweis. Beim Autor
vom Frankfurter Friedhofsführer ebenfalls Fehlanzeige. Nachfrage beim
Südfriedhof - negativ.
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| Eine Antwort zu
finden, auf die Frage: "Wo befindet sich in Frankfurt die Grabstätte
von Hermann Lichtenstein (1852-1904)?", das war im Folgenden mein
Bestreben. Begonnen wurde die Recherche mit einer Anfrage an die
Autorin des angegebenen Romans, Frau Nikola Hahn." |
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Ich
antwortete Herrn Fester am 29. Mai 2004:
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Lieber
Herr Fester,
vielen Dank für Ihre Mail! Die Auskunft der Leserin ist richtig:
Der am 26. Februar 1904 in seinem Geschäftshaus Zeil 69 ermordete
Klavierhändler Hermann Richard Lichtenstein wurde auf dem
"Frankfurter Friedhof" beigesetzt.
Die Informationen zur Beerdigung, die zum Teil auch im Vorsatz meiner
Romankapitel stehen, sind der "Frankfurter Zeitung und
Handelsblatt" entnommen, die ich Ihnen (z. T. gekürzt) unten
noch mal anhänge.
Übrigens fand - laut Frankfurter Zeitung - auch die Sektion der
Leiche auf dem Frankfurter Friedhof statt, und zwar am 27. Februar
1904, 2 Uhr nachmittags.
Leider kann ich Ihnen nicht sagen, wo sich das Grab von Hermann
Lichtenstein befand bzw. ob es heute noch existiert.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen bzw. der Leserin wenigstens ein bißchen
weiterhelfen!
Viele Grüße und ein schönes Pfingstfest
Ihre Nikola Hahn
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Und
hier die Zeitungsdaten: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt
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Abendblatt,
27. Februar 1904 (Samstag)
Bei
der Beerdigung, die noch nicht feststeht, wird Pfarrer Battenberg
sprechen.
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Morgenblatt,
29.Februar 1904 (Montag)
Die Beerdigung
Lichtensteins wird am Mittwoch erfolgen.
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Abendblatt,
29. Februar 1904 (Montag)
Nach neuerer Bestimmung wird
Hermann Lichtenstein Dienstag Vormittag 11 Uhr auf dem Frankfurter
Friedhof beigesetzt.
Die Leichenrede hält, wie bereits gemeldet, Pfarrer Battenberg.
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Abendblatt,
1. März 1904 (Dienstag)
Unter starker Beteiligung des
Publikums erfolgte heute Vormittag um 11 Uhr die Beisetzung der Leiche
Lichtensteins auf dem Frankfurter Friedhof. (...), (Roman, S. 274)
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Die
Presse zum Termin der Beerdigung spricht "nur" vom
Frankfurter Friedhof:
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Unter
starker Beteiligung des Publikums erfolgte heute Vormittag um 11 Uhr
die Beisetzung der Leiche Lichtensteins auf dem Frankfurter Friedhof.
Das Grab um- standen zahlreiche Neugierige, besonders Frauen. Ein
Posaunenchor leitete den Trauerakt ein und beschloß ihn. Pfarrer
Battenberg rief nach seiner Tröstung der Angehörigen Gott an: »Nimm
Dich auch an des verruchten und in seiner Sünde doch so
beklagenswerten Mörders, und hilf Du selbst, daß nicht durch ungesühnte
Schuld die Heiligkeit der sittlichen Weltordnung verletzt werde!«
Tief
ergriffen war die Menge, als der Grabredner erzählte, daß die
Mordtat am Tage der zwanzigsten Wiederkehr des
Verlobungstags Lichtensteins geschah.
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Rote
Nelken habe er seiner Gattin am Morgen geschenkt - rote Blutstropfen
habe sie am Mittag erschauen müssen. Darnach sprach der Prediger von
der stetigen Hilfsbereitschaft, der selbst- losen Berufstätigkeit und
dem glücklichen Familienleben des Verstor- benen.
Kränze wurden im Auftrag des Verbands deutscher Klavierhändler, von
der Obertertia des Goethegym- nasiums, vom Paulschor und von seinem
Diener, dem Auslaufer Schick, niedergelegt. Außerdem deckten
zahlreiche Blumen- und Palmenspenden von Freunden und Bekannten das
Grab.
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Da
meine Auskunft ja keine wirkliche Lösung brachte, forschte Herr
Fester weiter und fragte andere Experten um Rat ...
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Dieter Georg,
Pate von mehreren Grabdenkmälern nimmt sich der Sache an.
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Die wichtigsten Daten in der Tasche,
und die Suche beginnt in den alten Büchern der Stadt
Frankfurt:
Name: Lichtenstein, Hermann Richard
Geburtsdatum: 15. Mai 1852
Sterbedatum (durch Mord): 26. Februar 1904
Beruf: Klavierhändler
Adresse: Frankfurt am Main, Zeil 69
Beisetzung: Frankfurter Friedhof
Pfarrer der Beisetzung: F. W. Battenberg,
Petersgemeinde
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und Herr Fester wurde fündig: |
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Begräbnisbuch
Hauptfriedhof 1903 – 1905 Nr. 141, linke Seite
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Fundstelle: Institut für
Stadtgeschichte
Frankfurt am Main
Auskunft: Frau Ute Schumacher – Zimmer 208
Nr. 423
Lichtenstein, Richard Herm. Josef, Kaufmann
geb. 1852 , Mai , 15.
gest. 1904 , Febr., 26.
Zeil 69 (Sterbe-Ort)
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Begräbnisbuch
Hauptfriedhof 1903 – 1905 Nr. 141, rechte Seite
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3 (Begräbnisgruppe)
todt aufgefunden ! erschlagen
40.
Goldhammer (Arzt)
Roth ( Bestatter )
(Begräbnistag) 1. März Gewann F Nr. 1452
Stempel: Nutzungsrecht abgelaufen.
E. i.H.
ev.
Polizei ! gerichtlich seciert
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Und
wo war das Grab? Auch hier hatte Herr Festers Suche Erfolg:
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Fundstelle
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Der Epitaphien-Schein der
Zahlstelle XV vom 29. Februar 1904 über 405,25 Mark enthält
die Gewannangabe "F 1452" vom Frankfurter
Hauptfriedhof.
Diese Urkunde wurde mit
Dienstsiegel verschlossen
an die Witwe Frau Olga Lichtenstein geb. Niesle
Frankfurt am Main, Palmengartenstr. 4 als "Postpflichtige Dienstsache" persönlich
angewiesen.
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Jetzt
fehlte nur noch der reale Ort des Grabes auf dem Frankfurter
Hauptfriedhof:
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Grabstätte
gefunden
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Die Stelle, an dem Hermann
Lichtenstein im Jahre 1904
beigesetzt wurde, ist gefunden. Allerdings wurde die
Grabstelle abgeräumt und in zwei Grabstellen neu aufgeteilt, die
wieder belegt sind.
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| Grabstätte
Gewann F 1451 und 1452, Foto v. 29.11.2004 |
Doch
damit gab sich Herr Fester noch nicht zufrieden, denn die spannendste
Frage war ja noch unbeantwortet: Wie hatte das Grab des ermordeten
Lichtenstein ausgesehen?
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Alte
Dokumente zeigen, wie das Grabdenkmal ausgesehen
haben könnte und welche Geschichte das Grab hat:
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Bild
oben: Die von der Städtischen
Friedhofs-Commission am 03.09.1904 genehmigte
Zeichnung für das Grabdenkmal für Hermann
Lichtenstein.
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Paul Lichtenstein, Freiburg Breisgau,
Hansjakobstr. 2 (Sohn) schreibt am
06.05.1948:
"...
gebe
Pflegeauftrag an Gärtnerei Werner, Frankfurt am
Main, Hansteinstrasse 1 für die Grabstätte Nr.
1451 und 1452" |
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Margarethe Waldvogel geb.
Lichtenstein, (*1889) Singen (Hohentwiel),
Schillerstrasse 9 (Tochter) schreibt am
02.02.1970:
"...
bitte
das Grab meines Vaters Hermann Lichtenstein
(1852-1904) aufzulösen." |
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Friedhofs- und
Bestattungsamt, Verfügung vom 05.02.1970:
"Da
auf den Weitererwerb verzichtet wurde, ist die
Grabstätte gärtnerisch abzuräumen, der
Grabstein zu entfernen und die Herrichtung des
Grabes zur Veräußerung zu veranlassen."
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1974
neue Bestattung auf F 1451
1978 neue Bestattung auf F 1452 |
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Mutmaßung
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Man kann von der Vermutung
ausgehen, daß das Grabmal, was 1970 abgeräumt
wurde, heute noch als Grabdenkmal (vielleicht
leicht verändert) besteht. Das linke
Foto zeigt ein sehr ähnliches Grabmal was 1875
nach dem Entwurf des Bildhauers Johann Daniel
Walluf (1830-1893) errichtet wurde. Es steht im
Gewann F 467 an der Mauer zu Gewann III. (Foto vom
29. November 2004). Das Bild rechts ist eine Fotomontage, wie das Grabdenkmal des Hermann
Lichtenstein vielleicht ausgesehen haben könnte. Es
wurden bisher keine Fotos der ursprünglichen
Grabanlage gefunden.
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Grabmal in Sichtweite: Anton
Urspruch (1850-1907) F 1569
Komponist und Musikdirektor
(Foto v. 29.11.2004)
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Ich
bedanke mich nochmals bei Herrn Fester für die tolle
Recherchearbeit!
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Die vollständigen Rechercheergebnisse finden Sie
unter: http://www.frankfurter-hauptfriedhof.de

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